Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
765
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! Napoleon -6z

seiner Anlage, auf seinen Charakter am mächtigsten einwirken, in-dem die Menschen hier ihm immer mehr nur Werkzeuge, lebendigeMaschinen wurden, oder Feinde, die man künstlich überl'sten odernach allen Regeln der Kunst, einengen, unschädlich machen, schlagenmußte. Siegen, herrschen ward nun seine heftigste Neigung, undnur darum trat er jetzt seinen Mitschülern etwas näher, um denKrieg im Kleinen zu führen, den er schon im Großen dachte, unddie Stärker» gegen die Schwächern, oder auch umgekehrt, zu be-waffnen, und selbst schon Führer, Sieger, Gebieter zu seyn. Manberichtet aus dieser Zeit, wie er seine Gefährten gegen einander auf-gereizt, schon Meuterei gegen die Lehrer angestiftet, und sich einAnsehn, einen Einfluß unter den Knaben erworben habe, obwohldie meisten ihn haßten. Bemerkenswerty ist auch, daß er sich end-lich zwei von jenen, und gerade sehr beschränkte Köpfe zu täglichenGefährten auswählte, und diese so an. stch zu fesseln wußte, daßsie in demüthiger Bewundrung seiner Überlegenheit sich zu Werk-zeugen seiner Absichten, und zu Lobrednern seiner Vorzüge gebrau-chen ließen. Neben seinen mathematischen Studien beschäftigte ihndesonders die Geschichte des Alterthums. In allen Heldenthaten, inallen kühnen Unternehmungen der Vorzeit spiegelte sich das Verlan-gen seiner Seele, und jedes gelungne Emporstreben zur äußerstenHöhe der Gesellschaft, jeder errungne Sieg befeuerten seinen eignenGeist, und gewannen ihm das einzige Entzücken ab, dessen er fähigwar. Was bildsamen und noch sreiempfanglichen Gemüthern wahr-haft bildend und veredelnd ist, das wird denen, die schon eine ein-seitige Richtung und eine gewisse Abgeschlossenheit sich angeeignet. haben, leicht zur Verführung und Bestärkung in selbstsüchtigen Pla-nen. Die Geschichte enthält eben so reiche Nahrung für großherzi-ges Streben und edle Gesinnung als für Übermuth und Ehrgeiz.In Napoleons jugendlicher Seele ward durch dieselbe, zu einemschon übermächtigen Egoismus, nur der Ehrgeiz, nur das Strebennach Thaten, die nicht bloß bewundernswürdig, sondern mehr nochihm selbst Vortheilhaft seyn, und den höchsten Gewinn erwerbensollten, erweckt und ausgebildet. Aus seinem einmal gefaßten Ge-sichtspunkt mußten ihm die Helden der Vorwelt nur als die Star-ken erscheinen, die alle ihre Umgebungen, mehr oder minder glück-lich, zu ihren Zwecken zu brauchen wußten, und die Heroen Ho-mers, wie die Helden Plutarchs, dessen Lebensbeschreibungen er mitbesondrer Neigung betrachtete, konnten ihn dann minder mit Weis-heit als mit Ehrgeiz, Herrschsucht und Menschenverachtung erfül-len. Denn sie zeigten ihm, wie die seltne überlegne Kraft, die evauch in sich empfand, zu allen Zeiten die bewegliche und schwan-> kende Menge, die Mehrzahl der untergeordneten Geister, am Gän-gelband geführt, und was sie beharrlich gewollt, meist glücklich errun-gen habe; wie aber ein edler, von Gemeinsinn geleiteter Wille sel-ten erkannt, oft mit Undank belohnt, fast nie zu sicherer Herrschafterhoben worden. Die Spartaner, die seinem rauhen Sinn vorzüg-lich entsprachen, wurden ihm Vorbilder der Selbstabhärtung, die all»Beschwerden und Gefahren überwindet; der Kampflust, die amsichersten Furcht und Schrecken verbreitet; jener Wortkargheit, dienur zur rechten Stunde spricht, und über den wahren Sinn ihrergemeßncn und abgebrochncnsReden Freundes und Feinde in Zweifel läßt.Sie ahmte er denn auch in seinen Antworten und Mittheilungensiach, und gewann, ohne je einer Sprache sich vollkommen zu be«