Band 
Sechster Band. M und N.
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mächtigen, die große Fertigkeit, mit wenigem viel, immer abermehr zu sagen, als die Hörer erkannten und erkennen sollten, oderauch wohl eine größere und tiefere Bedeutung, als er selbst hinein-legte, mutbmaßen zu lassen. Zugleich lernte er auf kleine Umständeachten, nichts, was der eignen Absicht förderlich seyn könnte, überse-hen, den Gegnern ihre Schwächen ablauern und in unbewahrtenAugenblicken, wenn sie am sichersten sich wähnten, sie überlisten.So weit brachte es schon der beginnende Jüngling in einem Alter,wo die meisten nur träumen oder spielen, an einen festen Lebens-plan noch nicht ernstlich denken. So weit brachte er es schon zuBrienne, wo er denn auch schnell vor allen igo dort sich bildendenJünglingen sich auszeichnete, und sich Allen überlegen fühlte. SeinWille, der bereits eine so feste Richtung genommen, ward hier im-mer beharrlicher, strenger und unüberwindlicher, und seine Lehrer, dieseine rege Wißbegier, seine raschen Fortschritte in den Kenntnissen,die seinem Sinn entsprachen, ehren mußten, hatten auch die ge-gründetste Ursache, seine Einseitigkeit, seine Ungelehrigkeit in Al-lem, was ihm keine Neigung abgewinnen konnte, seine Verschlos-senheit und Hinterlist, se nen Trotz und seine unbeugsame Hart-näckigkeit, seine schnöde Widersetzlichkeit, und eine Leidenschaft, diezu Zeiten schon in wilde Wuth ausbrach, wenn sie Widerstandfand, zu tadeln und vor ihm zu warnen. Wie er selbst keinenliebte, wenige achtete, konnte auch er sich keine Liebe, kein Ver-trauen erwerben, und ward darum um so verstockter. Welcher Artdieser Zögling und wessen er fähig sey, ahncte wenigstens der Leh-rer, der ihm das Zeugniß ertheilte: „Ein Eorse von Geburt undCharakter. Er wird weit gehen, wenn die Umstände ihn begünsti-gen." — Das war der Jüngling, der mit einem so eisernen Willen,mit großen schon ausgebildeten Talenten in Paris erschien, umdort kurze Zeit in der Militärschule seine Studien fortzusetzen,und dann sogleich als Offizier angestellt zu werden. Er konnte dieFranzosen, zu denen er nun gehörte, mit ihrer Beweglichkeitund ihrem Leichtsinn nicht achten; er ahnete schon, wie leicht siezu gewinnen, zu beherrschen seyen, und das Menschengeschlecht maßer mit dem Maßstab, den diese ihm abgaben, mit dem er auch dieGeschichten der Römer gewürdigt hatte. Zum Soldaten geboren,wußte er durch Strenge und Pünktlichkeit im Dienst, durch ausge-zeichnete Kenntniß in seinem Fache, durch Vorliebe für alles, wassich darauf bezog, bald Achtung und selbst Vertrauen zu gewinnen,und je mehr er über alle Offiziere seines Alters hervorragte, destomehr fühlte er sich selbst, und du-fte die Hoffnung fassen, sich'bald ndchmehr auszuzeichnen, und sich eine Laufbahn zu eröffne», auf die seindamals untergeordnetes Verhältniß noch wenig Ansprüche ertheilte,Alle ungemeine Menschen gewinnen sich schon früh einen festen Mit-telpunkt ihres ganzen Wesens, und werden, weil sie immer nur aufdas Eine sich richten, darauf alles beziehen, und entschlossen undUnbeweglich dies nur wollen, so stark und bald ausgezeichnet.Auch als Offizier suchte Napoleon minder die Zerstreuungen undGenüsse der Jugend als die Einsamkeit, in der er mit unermüdli-chem Fleiß sich weiter ausbildete für seinen Beruf, unv in unzu-gänglicher Zurückgezogenheit stählte er zugleich Geist und Körper fürdie Thaten, zu denen er bald gerufen werden sollte. Der corsi-fche, und nachher der Nordamerikanische Freiheitskrieg, dazu die«»ruhen in den Niederlanden, die wachsende Gährung in Frank-