Traum 7i
I Las Ausbilden einer Krankheit, die im Wachen noch nicht bemerktwird, erkennt die Seele nicht selten im Schlafe, vermöge des er-i-t höhten Wahrnehmungsvermögens, und bildet diese Bemerkung in
ne Traumbildern, z. B. von drohenden Gefahren aus. Die Periode
in der Genesung, welche die Seele früher vorher,'seht, als sie durch
"r ihre Folgen und schon bewirkte Veränderungen dem Wachendenfühlbar und sichtbar wird, kündigt sie dagegen wieder in ange->ä- nehmen, und mildern Auftritten an. Den verfolgenden Schreck--gestalten z. B. stellen sich schützende Genien entgegen, der wirbelnde'be ' Tumult um den Kranken verliert sich allmählig, und an seiner
och Stelle bilde» sich muntere Gesellschaftsgruppcn u. s. w. Die in
<- dem Gemeingefühl gegründeten Instinkte, Triebs und Begierden
ut- geben auch der Seele reichlichen Stoff zu Traumbildern, da diese
ten h^i der Erhöhung des Gemeingefühl» sich auch um so deutlicher
oen aussprechen. Der Durstige träumt sich an frische Quellen und an
die Ufer eines Flusses, leert die vollen Becher, ohne seinen Durstdsr zu stillen; der Hungrige sieht im Traume reichlich besetzte Tafeln.
>ie- Auch die Leidenschaften ermangeln nicht, sich an den Zauberkünsten
SU- des Traums zu ergötzen, und sich für das, was ihnen die Wirk-
d» lichkeit versagt, schadlos zu halten. Doch nicht bloß die Einwir-kn kling von dem Körperlichen gibt der Seele Stoff zur Thätigkeit
auf im Schlafe und zu den Traumbildern, auch aus sich selbst vermag
elst sie diese sehr oft darzustellen. Schon die von der Leidenschaft ge-
vo» bildeten Träume sind zum Theil ein Eigenthum der Seele, wenn
wo- Liese dM voin Körperlichen zunächst ausgegangenen Begierden sich
ds» ' hingegeben hat, allein auch die rein geistigen Thätigkeiten, diefiv- Bildung der Begriffe und Urtheile, die Hähern Zwecke und Idee»
eele ' hkr Vernunft stellt sich die Seele in ihrer eigenthümlichen lebhaf-
em- ten Bildersprache vor. Selbst die im Wachen mehr gebundene»
ihr- > im Schlafe sich freier', erhebenden Vermögen der Seele, die Ecinns-
lude reuig und das Fernsehen, geben Stoff zu der Thätigkeit im Schlafe.
>»g- Daher sieht sich der Träumende oft in Auftritte der fernsten Wer,
ihde gangenheit zurückgeführt, die ihm das Gedächtniß im wachenden
ird, Zustande nicht wieder vorgestellt hätte; dadurch entstehen sogar
und Traume, welche zukünftige Begebenheiten enthalten, obgleich es
stlst schwer seyn mag, diese rein psychischen Träume von denen durch
chw- Einwirkung des Körperlichen entstandenen zu unterscheiden. Die
urch Träume stellen allerdings meistens ein buntes Gemisch von wun-
imal derseltsamen Gestalten, schnell wechselnden Bildern, dem Anscheine
Än- nach ohne Plan, ohne Zweck und Bedeutung dar, allein sie sind
> z» , deswegen doch kein leeres Spiel der Phantasie, immer liegt ihnen
den irgend eine Bedeutung zum Grunde, die sie in der ergenthümli-
ühh chen Sprache der Seele ausdrücken, bald geradezu unter einem
ahr- Bilde, bald allegorisch und symbolisch, bald ironisch, indem sie die
inen irdischen Angelegenheiten nach dem Hähern Interesse der Seele be-
Hli-, urtheilt darstellen, und deren Inhalt von dem Zustande des Kör-
gtrit pers, den Bedürfnissen und Wünschen des Menschen, Vorstcllun»
rtig- gen und Ideen desselben, Begebenheiten aus der Vergangenheit
ah» und Zukunft, moralischen Wahrheiten und Principien, Aussprü-
t sie chen des Gewissens u. s. f. hergenommen ist. Mehr zuweilen noch
soll als die äußerlichen Handlungen im Wachen, spiegelt der Traum
cken, die innerste Natur, den tief versteckten Charakter eines Menschen
nah ab, besonders! bei solchen, die im Stande und gewohnt find, sich
uud im Wachen sehr zu beherrschen, welches im Schlafe wegfällt. Tic-
ielbst