Lravestirung 75
ten. Das Concordat von i8c»i bestätigte diese Einrichtung unkdas Gesetzbuch Napoleons dehnte sie auf alle Confessionen im fran-zösischen Reiche und in den Ländern, die es unbedingt annahmen,aus; daher in dieser Periode viele Ehen ohne priesterliche Trau-ung geschloffen worden sind. Sekt dem Jahre 1814 ist jedoch, auchin Hinsicht der Ehen die alte Ordnung der Dinge wieder herge-stellt worden. . L-
Lravestirung, ein scherzhaftes, meist satirisches Gedicht,,welches einen ernsten, von einem Dichter bereits behandelten Stoffseiner ursprünglichen poetischen Form entkleidet und in einemneuen komischen Gewände erscheinen läßt. Sie unterscheidet, sichwesentlich von der Parodie, welche sich der vorhandenen dichteri-schen Einkleidung eines ernsthaften Gegenstandes zur Darstellungeines lächerlichen Stoffes bedient. Beide wirken durch den Esst -trast, und können, glücklich durchgeführt, ihres Zwecks, Lachenzu erregen, nicht verfehlen. Gleichwohl aber nehmen sie, bei ih-rer Abhängigkeit von andern, vorhandenen Kunstwerken, mit wei-cher die freie, sclbstständige Äußerung eines dichterischen Gemüthsunvereinbar ist, nur eine sehr untergeordnete Stelle unter denDichtarten ein. ES ist gefragt worden, ob sie überhaupt.zuläs-sig seyen. Von der Parodie, die sich lediglich an das Äußerehält, nur mit dem Wandelbaren der Form ein heiteres Spieltreibt, möchte dies ohne Weiteres zu bejahen seyn. Andersscheint es sich mit der Lravestirung zu verhalten, die sichln dasEwige der Idee wagt, und es mit keckem Lbermuihe i» das Ge-biet des Lächerlichen hinüberträgt. Allein es scheint auch nur so;denn es liegt eben in dem Wesen des Scherzes, daß derselbe infreier Willkür auch das Edelste und Erhabenste in seinen Kreisherabzieht. Weiß nur der travestircnde Dichter seinem Gegen-stände, mitten unter den Umgebungen von Größe, Ansehen undWürde, die schwache Sekte abzugewinnen, und für denselben eineForm zu wählen, die die komische Wirkung sichert, so wird ersuch seinen Zweck, Belustigung des Lesers, erreichen, und esfällt ihm weder eine Entweihung des Heiligen, noch eine Ver-kümmerung des Vergnügens an dem ernsthaften Kunstwerke zurLast, wie ihm seit La Mothe oft wohl vorgeworfen worden.Wie die herrlichsten komischen Schöpfungen der Griechen aus die-ser freien Herrschaft des Scherzes hervorgegangen, ist bekannt ge-nug, und, obgleich der griechische Geist sich mehr zur Parodie hin-neigte (man denke an die Batrachomyomachie, die Parodien desMatron und an unzählige Stellen des Aristophanes. Bergl. Buhlezu Aristoteles Poetik, C. 1, H. 4), so war ihnen doch auch dasErMtiche der Lravestirung keineswegs fremd, vielmehr, scherztediese in den Erzeugnissen bildender Kunst, wie in den komische»Dichterwerke» mit gleich kühner Ausgelassenheit, und der obersteder Götter durste sich nicht weigern, aus plastischen Werken undKasengemählden eben so, als auf der Bühne in der Schellenkappeals komische Maske zu erscheinen. — Die Lravestirung ist ent-weder rein komisch , freier Erguß des Humors, oder sie verbindetmit dem Zwecke der Belustigung den der Satire. Diese richtetsich entweder gegen den Stoff, indem sie die lächerliche» Seite»desselben durch die Einkleidung hervorhebt, oder . gegen die Form,indem sie das Unstatthafte des Ernstes in Beziehung auf den dar-gestellten Gegenstand ins Licht stellt. Beide Zwecke schließe» den