Tridentinisches Concilium 85
bis Ostern 1539, und da weder Frankreich noch Deutschland denOrt genehmigten, gar auf unbestimmte Zeit folgte. Bomiregens-bUrgcr RcichSabschiede 1541 gedrängt, setzte Paul es aufs Reuezum isten November 1542, und um doch seine Bereitwilligkeitzur Wahl einer deutschen Stadt zu zeigen, nach Lrient an. SeineLegaten kamen den 22sten November wirklich daselbst an, aber einneuer Krieg des Kaisers mit Frankreich gab Veranlassung zu aber-maliger Suspension auf gelegnere Zeit. Diese glaubte der Papstmitten unter Carls Rüstungen gegen die Protestanten gefundenzu haben, und schrieb das Concilium zum iZtcn März 154g aus.Die Cardinale Del Monte, Cervino della Cruce undPolus langten zu rechter Zeit als prästdirende Legaten zuLrient an, weil aber zu wenige Bischöfe (20) und Gesandten nach-kamen, vertrieb man sich die Zeit mit Rangstreitlgkeitcn und Spa-zierfahrten; der Sommer verstrich, während die Prälaten ab - undzufuhren, bis endlich auf Befehl des Papstes am izten December1545 die tridentinische allgemeine Kirchenv ersamm-lung (LacrosLnctL oecuinonica er svnosius -krisieu-
tina, pisesiäentibu» sposloliois nannte er sie in seinem
Breve) mit der ersten Session von 25 Bischöfen und einigen an-dern Prälaten feierlich eröffnet wurde. In den darauf folgende»vertraulichen Conferenzen traf man die Einrichtung, daß Aus-schüsse von Bischöfen und Doctoren der Theologie dir zu verhan-delnden Gegenstände bearbeiten und vorbereiten, in Particular-und General-Congregationen (nichtöffentlichen Sessionen der Vä-ter) dann die entworfenen Decrete und Canones zur Berathschla-gung und durch Mehrheit der Stimmen (nicht nach den Rationen,wie zu Costniz, sondern nach den Köpfe») zur Entscheidung kom-'men, die öffentlich in der Kathcdralkirche mit Hochamt und Pre-digt zu haltenden Sessionen selbst aber nur Ckremonialhand-lungen zur Publication und Sanction der gefaßten Beschlüsse seynsollten. Schon diese Art der Abstimmung nach den Köpfen, unterdenen die päpstlichen Kreaturen aus Italien und die Titularbi»schöfe leicht die Mehrzahl ausmachten, und der Umstand, daß dieAusschüsse von'den Legaten gewählt und instrui'rt wurden, hättehingereicht, das Concilium nach dem Willen des Papstes, der einebesondre Congregation von Cardinälen zur Bcrathnng über dieAngelegenheiten dieser Kirchenversammlung in Rom niedergesetzthatte, zu lenken; dazu kam aber noch der kräftige, stolze Herr-schergcist des seinem Herrn ganz ergebnen CardinalL Del Monte,dessen tägliche, ja stündliche Csrresponbcnz durch eine ununter-brochne Courierlinie bis Rom, die ihm'nach den wechselnden Ent-schließungen des Papstes öffentlich vorzuzeigende und geheime Jn-structionen für jede Wendung des Ganges der Verhandlungen zu-führte, und eine Menge andrer Mittel der Intrigue und Überre-dungskunst, wodurch die römische Politik nach Befinden der Um-stände auf die versammelten Prälaten zu wirken, und Widersprü-chen zu begegnen wußte, so daß die Klage, „daS Concilium seyUicht frei,'' selbst von italienischen Bischöfen gehört wurde. Für-sten und Völker erwarteten von diesem Verein heiliger Männerdie Abstellung alter Mißbrauche, und eine Verbesserung der Kirchean Haupt und Gliedern , die die Vorwürfe der Protestanten wi-derlegen, und sie zur Rückkehr in den Schooß der cakhelischenKirche einladen sollte; die kaiserlich!» Gesandten drangen ihrer