Trspicus Troubadour 111
sich war also die Entstehung dieser Orakels eine Speculation derPriester zu Delphi. Es werden von dem Orakel des Lrophoniusin den griechischen Schriftstellern viele Fabeln erzählt, die wirhier eben so wenig, als die mancherlei Gebräuche alle anführenkönnen. Der Aufenthalt in der Höhle dauerte bald längere, baldkürzere Zeit. Einige käme» erst nach einem Tage und zwei Näch-ten wieder herauf. Die Priester brachten den Hcrausgekommene»sogleich auf einen Stuhl, Mnemosynens Sitz genannt, undfragten ihn, was er gesehen und gehört habe. Was er hier inder Betäubung aussprach, galt als die Antwort des Orakels.Nun brachte man ihn in die Kapelle des guten Genius und derGlücksgöttin, wo er nach und nach wieder zu sich kam. Von demfürchterlichen Eindruck der verschiedenen gräßlichen Erscheinungenauf das Gemüth der Abergläubischen behielten meistens diejenigen,welche aus der Höhle zurückkehrten, ihr ganzes Leben hindurch ei-nen Anstrich von Schwermuth und Traurigkeit, daher man voneinem äußerst niedergeschlagenen Menschen sprichwörtlich zu sagenpflegte: Er kommt aus der Höhle des Lrophonius. So grob undoffenbar die Betrügerei bei diesem Orakel war, so wurde es dochsehr häufig besucht. Die Priester hatten wahrscheinlich geheimeAus- und Eingänge in die unterirdische Höhle, um darin ihrGaukelspiel zu treiben. Kam ein Vorwitziger hinein, dessen Recht-gläubigkeit man nicht trauet«, so mußte er auch wohl für seineKühnheit mit dem Leben büßen. So ging es einem Begleiter desKönigs Demetrius, der in die Höhle hinabgestiegen war, um dortverborgene Schätze zu suchen. Er kam nicht wieder lebendig zumVorschein, sondern sein Leichnam wurde nachher an einem ganzandern Orte gefunden, ohne aus der heiligen Höhle herausgewor-fen zu seyn. — Lrophonia waren feierliche Spiele, die demJupiter Lrophonius zu Ehren jährlich zu Lebadia gehalten wur-den. — Lrophonius ist auch der Name des unterirdische»Mercurs, der ein Sohn des Balems und der Phoronis war. —Lheophonius heißt endlich ein übrigens unbekannter Sophist,von dem noch ein rhetorisches Werk vorhanden ist.
Tropicus, Wendecirkel. In der Astronomie und mathema-tischen Geographie nennt man so die beiden Cirkel oder Ringe, dieum die künstliche Erd- oder Himmelskugel in der nördliche» undsüdlichen Hälfte derselben herumgehen, und von dem Äquator oderder Mittellinie gleich weit entfernt sind. Wenn die Sonne in dernördlichen Halbkugel ihren größten Abstand von dem Äquator er-reicht hat, so tritt-.sie in einen Parallelcirkel, der LZ Grad Zc»Minuten vom Äquator absteht, und dernördliche Wendecir-kel oder Wendecirkel des Krebses (»opivii» doreslir,tropicw« cLnkwi) genannt wird. Die nördliche Halbkugel derErve, oder Europa, hat alsdann den längsten, die südliche denkürzesten Tag. Die Sonne wendet sich dann, nähert sich wie.der dem Äquator, und tritt in der südlichen Halbkugel in einenCirkel, der ebenfalls 2Z Grad Zo Minuten von dem Äquator ent-fernt ist, und der südliche W e n d e ci rke l oder der Wen d c-cirkel des Stein bocks (rropicus Lwsriskis, rro^lous csxri-coimi) genannt wird.
Troubadour. Eine schöne jugend- und lebenvolle Zeitnimmt uns auf, indem wir in die heitere Zeit zurückgehen, wel-cher jene Dichtersänger angehören, die ihren Namen von rrouvor.