Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
113
JPEG-Download
 

Lrvubadvitr uz

das ganze Europa des Mittelaltcrs eine Poesie sich ergießen sehn,die das natürliche Erzeugmß des Lebens dieser Zeit, der eigent-liche Ausdruck und Wiederklang desselben, mit dem ritterlichenGeiste gleichen Schritt haltend , nach Länder- und'Völkomerschie,denhert sich verschiedentlich gestaltete und entwickelte, auffallendcontrastirend mit t-r Poesie der spätern Zeit (in Italien z. ss;.von Dante an, in Deutschland im lgten Jahrhundert) zu osiftrin demselben Verhältniß stehend, in welchem Ernst zu Spiel,Wahrheit zur Dichtung, Spiel in der Kindheit zum Spnl immännlichen Alter steht. So sehen wir die Minnesänger inDeutschland, die hohen nordischen Dichtungen in ihrer cyklftchenGestalt, die Romanzendichtnng in Spanien, und die Troubadoursin Frankreich, von welchen die Trouvercn der französischen Nor-mannen und die Mnstrels in England eine bloße Abart sind.Wir betrachten diesen Gegenstand, um ihn besser zu beleuchten,noch von einem etwas veränderten Gesichtspunkt. Das schöneMttteialtcr ist der liebliche Frühling, und die sorglose ab-r kampf-lustige und im -Kampfe säst unbewußt dem Ziel entgegensicgendeJugend der neuen Zeit. In der Jugend erstarkt der Mensch erst-um in den spätern Jahren in seiner Kraft ruhen, kämptt und ar-beitet, um dann genießen zu können. Aber das Ziel ist es nicht-wovon er zur Arbeit und zum Kampfe angeregt wird. Er weißam Ende in dieser Periode selbst nur wenig von der Absicht, zuwelcher er sich mühe und anstrengt, und allem die G-wair ocrZeit führt ihn, nach einer innern Vorherbeftimmung, dem Zielenäher und näher, ohne daß er Lust hat, etwas Laven zu bemer-ken. DaS Gefühl der erwachenden, allmählig erstarkenden Kraftläßt ihn in der Arbeit selbst, in dem Kampfe als 'solchem, ichonseine Befriedigung finden, aber der Unsicht'arc macht indeß LieseKämpfe selbst zum Wetz zu einem Hähern Ziele. So ist die Ar-beit des Jünglings für ihn nur Übung, heiteres Spiel der jun-gen, frisch sich regenden Lebenskräfte, die üppig anschwellend auS-brechen, und ein Feld der Thätigkeit aufsuchen, um auf ihmgleichsam auszubrausen. Natürlich "spricht sich dieses Streben zu-gleich durch eine heitere Form aus, und wir scheu nicht nur, daßdie Ratur schon die Wange des Jünglings m-t der Blüthe bebSchönheit schmückt, und über die ganze Gestalt den Zauber derAnmuth und Lieblichkeit ausgegasten hat, sondern unverkennbarliegt auch dem jugendlichen Gemüth nichts naher, als der Hangzum heitern Spiele der Dichtung uNd des Gesanges, zum roman-tischen Schmuck seiner Gewänder, zu allen fröhlichen Wissenschaftten uNd Künsten des Lebens. Aus diesem Gesichtspunkt -illcinkann dem Mittelaltcr und seinen ritterlichen Kämpfen, so wie sei-ner Poesie die rechte Bedeutung gegeben werden. Jene Kämpfesind das «n sich absichtlose, nur von dem unsichtbaren Erzieherdes Menschengeschlechts zu großen Absichten hmgcleirste Ausbrau-sen der jugendlichen Kräfte des neuen Geschlechts. Das Leben derEdler» im Volk in dieser Zelt unter allen Himmelsstrichen bestandin fröhlichen, raschen. kühsten Äußerungen der frischen Lebenskrast-in gewagten romantischen Unternehmungen- in einer Thätigkeit,die für sich nichts weiter war, Sls ein Unwillkürliches Strebenund Ausströmen der jungest Kräfte wie zstm Spiele. Daher dasganze Ritterwkscst, die Löurniere- die kühnen, mit heißer Be-gierde aufgesuchten Abenteuer, Einem solchen Lebest — welche an-Csnv. 4t» Bug. X. S