Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
114
JPEG-Download
 

ii4 Troubadour

lere Form, welcher andere Ausdruck konnt« ihm passen, als äußer«Pracht, mitunter phantastische Verzierung an Waffen und Klei-dern, fröhliche Versammlungen zu zierlichen Gastmahlen, zu Spielund Tanz, romantische Ausschmückung des ganzen häuslichen Le-bens? — Und hätte da Poesie, diese ursprüngliche Dryas des ju-gendlichen Lebensbaums, hätte eine Dichtkunst fehlen können, zuweicher das jugendliche Geschlecht nach verbrachtem Kampfe sichwendet, um sich zu erholen, wie das spätere Alter dann der be-schaulichen Ruhe^stch so gern überläßt? — eine Dichtkunst, welchedie natürliche, nie ausbleibende Begleiterin der jungen Lebensac-corde ist — «in« Dichtkunst, die, Jünglingspoesie, wohl nie denFoderungen eines Lunstgebildeten Zeitalters Genüge leiste» kann,die aber den schönen Borzug hat, ein rechtes Raturgewächs und«in unmittelbares Erzcugniß des ewigen Weltgeistes selbst zu seyn.Ein solches Gewächs ist die Poesie des Mittelaltecs, und hat auchandere Anlage, Anderes Clima, andere Natur der Länder undVölker sie da und dort anders entwickelt und ausgebildet, dasWesen, der innere Geist und Typus ist doch überall ein und der-selbe. Man mißdeute diese in ihrer Kürze freilich Mißdeutungenleicht unterliege«-« Einleitung zu unserm Art. nicht. Vielleichtgelingt es uns, manches Dunkle in diesen allgemeinen Reflexionenmehr aufzuklären, indem wir das E gentbümliche der französischenPoesie im Mittelalter, der der Troubadours, nun darzustellen un-ternehmen. — Frankreich theilt sich im Mittelalter, auch selbstin seiner politischen Geschichte, fast fortwährend in zwei Hälften,tn die nördliche und die südliche, in die Länder von der Sprachevul (oil) (IsnKllo st'oni, wallonischromanisch, die Mutter des jetzi-gen französische» Idioms) und die von der Sprache oa (lauxusstoo, provenzalischromanisch) und so auch seine Poesie in die derTrouveres und die der Troubadours, jene dem nördlichen, diesedem südlichen Frankreich angehörig. Schon die Theilung, dieLudwig der Fromme mit feinern Reiche vornahm, schied Aquita-nien, welches damals wahrscheinlich ganz Güdfrankrcich umfaßte,und erst späterhin Provence und die naheliegenden Länder aus-schied, von dem nördlichen Frankreich mit Lothringen und Ober-turgund, welches Lothar zu Italien erhielt. Die ungefähr«Gränze möchte die Loire seyn, wie sie, etwa Burgund ausschlie-ßend, quer von Osten nach Westen mitten durch Frankreich fließt,und in der südlichen Spitze von Bretagne ins Meer fällt; undwie in der Verfassung und den politischen Schicksalen, so spiegeltsich in der Poesie der Charakter des verschiedenen Bodens undClima'S treulich ab. Die Trouvereu, in England auch Min-strcls Hofleute) genannt, wiewohl diese lctztern

zum Theil auch nur gebraucht wurden, um, wie die Jongleursder Troubadours, die Gedichte abzusingen, bildeten das wallo-riischromanische Idiom, wie gesagt, die Wurzel des heutigen Fran-zösischen, ams, und waren da, wo sie nicht etwa die Dichtüngi-weise der Provenzalen, auch in der provenzalischen Mundart, co-pirten, die epischen Dichter Frankreichs, in ihren Gesängen undRcktrrromone» die Fabelkreis« der Amadis, der Ritter von derTafelrunde, und von Carl dem Großen und seinen Pairs beschrei-bend. Sie gingen vornämlich von dem durch Rollo, den Nor-mann, gestifteten Herzogthume der Normandi« aus, zwischenFrankreich und England sich theilend , und reicht«» von dem zwölf-