Troubadour ny
den oder selbst mit wettkämvfenden Damen gibt das bunteste Ge-mählde von spielender, weichlicher, üppiger Heitertest und Lebens-lust. Der xrovenzale Ritter war es vornämlich und zuerst, wei-cher das heitere Leben im Dienste des Heilandes und der Damerecht poetisch ernsthaft ausbildete, Tanz und Spiel im Tournierals wirkliches Geschäft trieb, und in heitern Festen und ihrerLunten Ausschmückung feine rechte Lebensweisheit fand. JederBaron in seinem Bezirk ein unumschränkter Gebieter, rief er seinenachbarlichen LiebeLhelden und Ritter auf seine Burg zu Lour-vier und Spiel und Wettgesängen, statt daß Deutschlands oderNerdfrankreichs Ritter, einander zu blutiger Fehde zu rufen, Bo-ten und Absagebriese sandten. Da sah man die fröhliche» Zügebrntgeschmückter Damen und Ritter unter duftenden Orangenwäl-der», auf bunten Wiesenteppichen; daS tiefblaue Zelt bet Hefternprovenzalischen Himmels über ihnen, wie froh« Kinder, von ei-nem Festtage »um andern spielen; dort brach der kampfeSfreudigeRitter seine Lanze an dem Schild des männlichen Gegners; hiersaß im Kreis der Damen die Fürstin, und hörte ernsthaft demWettgesang in lieblichen Reimen über die Gesetze der Liebe strei-tender Helden zu, .um dann ein Urtheil (»wär L'omoui) aus zu-sprechen. Leicht und fröhlich floß das Leben dahin, und jederMorgen warf vor allem die Frage auf; welch Spiel an diesemTage das dringendste sey? So war das Leben des Provenzale»selbst im höchsten Grade lyrisch, und wenn es in seinen Auswüch-sen in Wollust und Schamlosigkeit ausartete, so war dies die na-türlichste Folge der mangelnden kräftigen HaltS und innern Ge-wichts. — Hier nun Troubadours — in diesem Kreise Poesie!was mußte sie werden? und was ist sie geworden? Fehlen konnt?,das begreift jeder, natürlich die heitere Gabe der Dichtkunst ei-nem solchen Menschenkreise nicht. War sie irgend ritterlichemWesen im Mittelaltcr angemessen, unter welchem Himmelsstrichees sich entwickelte, so war sie dem heitern Prosenzalcn ganz un-entbehrlich. Poesie ist ja an sich und überall das Organ, durchwelches die Freude des Lebens und die Lust des Herzens so gutin Thränen als im fröhlichen Lachen sich ausspricht; wie viel-mehr bei einem Volke, das unter Leben gar nichts anders ver-steht, als fröhlich von einer Blume des Genusses zur andern flat-tern. Aber die Eigenthümlichkeit der Provenzale« bestimmte auchdie Eigenthümlichkeit seiner Poesie. Sie mußt« durch und durchlyrisch seyn, d. h. nichts als Ausdruck der innern Zustandes,der Gefühle und Leidenschaften, die durch die Saiten der Seelebebten. Denn der heitere Vogel will ja in seinem Frühlivgslebe»nicht fremde oder eigene Thaten erzählen — er hat ja keine —sondern nur die innere Behaglichkeit in bezeichnenden Tönen undKlangen auSathmen, um sie dadurch gleichsam zu sixiren, und miteinem Körper zu begaben. Auch die That wurde dem Provenza-len am Ende bloß durch das Medium und in der Form der Em-pfindung offenbar. Eine solche Poesie konnte nie zur Kunst im ei-gentlichen Sinne erwachsen, denn sie war ein Theil des Lebensselbst, reine Naturpoesie, ein beständiges Jmprovisiren, das inseiner Idee schon zu Grunde gebt, wenn «S dein Ernst der Kunst-erfodernisse sich unterwerfen soll. Sie konnt« nie über eine ge-wisse Oberflächlichkeit sich erheben, und mußte Gelehrsamkeit undwissenschaftlichen Gehalt als etwas ihr fremdes verschmähen; dem»