Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
124
JPEG-Download
 

124 Truhe

Italien, England, in der Schweiz und in vcrschiednen GegendenDeutschlands, doch zuweilen unter verschied»« Gestalt. Man theiltsie auch, besonders in Italien, in Sommer- und Winter-Trüffeln,,nach der Jahreszeit, in welcher sie gegraben werden. Luch ihreGröße ist verschieden, und es finden sich bisweilen welche, die ei»Plund und drüber wiegen. Bisweilen wachsen sie, wie z. B. i»Frankreich unweit St. DeniS, in großer Menge beisammen. Wosie wachsen, kommen nicht leicht andre Pflanzen fort, weil sie ihnenentweder die Säfte einziehen, oder durch ihre flgmthümliche Be-schaffenheit das Wachsthum andrer Pflanzen tz-.uoern. Sie wer-den für eine Delicokeffe gehalten, an .daher fleißig aufgesucht. InFrankreich braucht man zum AufsuchiN der Trüffeln Schweine, inItalien aber Hunde, die eine Art kleiner Pudel sind. Man gibtdiesen Hunden, ehe sie auf die Jagd ausgehen, ein Stück Brot inTrüffel-Öl getaucht; sobald der Hund eine Trüffel unter derErbt wittert, sangt er an zu starrem Der Jäger muß dann gleichbei der Hand seyn, um die Lrüffel.auszugraben, und zu verhin-dern, daß der Hund sie nicht verzehrt.

Truhe (geheime) ist ein Kunstausdruck in der gegenwärtigso viel und so leidenschaftlich besprochenen Verfassung des ehemali-gen HerzogthumS Würtembcrg. Der engere Ausschuß würtember-gischcr gemeiner Prälaten und Landschaft, welcher aus 2 Prälatenund 6 von der Landschaft bestand, und welcher seit Jahrhundertenin ständischen Angelegenheiten allein von Bedeutung war, hatte dieBesugniß, jedes Jahr eine unbestimmte größere oder kleinere Sum-me aus der allgemeinen Landcssteuenasse, die ex verwaltete, zunehmen, und darüber nach seinem Gutdünken für ständische Zweckezu disponiren, ohne jemand anderm als fich selbst Rechenschaft darü-ber schuldig zu seyn. Nur der Landtag selbst, wenn Prälaten undEurzerabgeordncte in Masse zusammenkamen, mochte, obwohl esnicht ausgesprochen ist, Rechnung von ihm verlangen können. Esgab also zwei ständische (Lassen: die größere, in welche die Landes-steuer floß, und von welcher jährlich vor einer herrschaftlichen Com-mission Rechnung gestellt werden sollte, und eine kleinere, die ihreZuflüsse aus. der größer» erhielt, — diese hieß die geheime Truhe,von dem Geheimniß ihres Wesens und Wirkens. Die Entstehungdieser in ihrer Art einzigen Caffe läßt sich nicht historisch sichernachweisen; wahrscheinlich aber ging es so. Schon mit dem tü«bingcr Vertrag, welcher die Existenz der würtcmbergischrn Land-schaft oder her Rechte des Zten Standes auf einmal gründete undvollendete, erhielt dieselbe die Mitaufsicht über «ine Caffe. Manhatte eine Million Schulden vonHerzog Ulrich übernommen. DieseSumme sollte tcrminwetse von einer jährlich dazu bewilligtenSteuer abgetragen werden, und diese Steuer floß in eine eigeneGaffe, deren Verwalter Herzog und Landschaft gemeinschaftlich er-nannten, und welche dem Herzog und der Landschaft Rechnung zustellen hatten. Allein schon unter dem Nachfolger Ulrichs, unterHerzog Christoph, änderte eS sich. Gleich im Anfang seiner Re-gierung ernaynte er nur noch Einen Eaffier, während die Land-schaft 2 ernannte, und die Aufsicht über die Schuldenzahlungscaffeftsbst ward dem hauptsächlich deßhalb errichteten engeren land-schqftlichen Ausschüsse vorzugsweise übertragen. Gegen das Endepsefec Regierung «nannte der Ausschuß alle Cassiere, und die Cas-M? selbst verwandelten fich inÖfficialeu des Ausschusses. So war