Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
130
JPEG-Download
 

i Zo Tübinger Vertrag

len, und ausgezeichnete Männer haben unter ihnen sich gebildet.Eine Zeit erneuerter Blüthe schien für die hohe Schule beginnenzu wollen in den siebziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts un-ter Herzog Carl. Carl interessiere sich für sie, und in der Freudedarüber nahm sie den Ramcn Ldoikarcla tHaroliiia an und er-nannte ihn zu ihrem fortdauernden Rector. Allein sie blieb den-noch für ihn bloß Stiefkind, sein Herz hing an seiner Carlsaka-dcmie in Stuttgart, welche Lübingen seine Schüler entzog. Nach-theilig und Vortheilhaft zugleich wurde für sie die Zeit Königs Frie-drich. Unter ihm begann endlich auch eine bessere Periode fürdie Medicin. Auch in den andern Facuttäten wurde das Lehrer-personale vermehrt, und da die Fonds der Universität zu ihrerBesoldung nicht hinreichten, so übernahm der Staat dieselbe. Wis-senschaftliche Preise in allen Fakultäten wurden jedes Jahr unterihm zur Aufmunterung der Studirenden vertheilt. Dagegen nahmihr aber auch Friedrich einen bedeutenden Theil ihrer alten eber-hardinischcn Rechte, und entzog ihr namentlich die Selbstverwal-tung ihrer Einkünfte. Neu und nach liberalen Grundsätzen sinddie Verhältnisse der Universität von der jetzigen Regierung ineinem eignen Statute bestimmt worden, welches dem Verfaffüngs-entwurfe für Würtembcrg angehängt ist. Lübingen hat gegen-wärtig 7 theologische Professoren, 6 Juristen, g Medicinen, 11 Pro-fessoren, die zur philosophischen Fakultät zahlen und 2 Cammera-listen, im Ganzen zi Professoren. Mehrere davon sind außeror-dentlich. Die ordentlichen bilden den akademischen Senat, an des-sen Spitze der halbjährlich gewählte Rector steht. Das Amt unddie Würde des Canzlers ist mit der ersten theologischen Professurverbunden. Das theologische Seminar, das Clinicum, der bor, -Ni-sche Garten sind Anstalten, welche jeder Universität zur Zierde ge-reichen würden; die Bibliothek, deren Gebrauch den Studirendenoffen ist, gehört zwar nicht unter die größten, aber sie enthältmanches Merkwürdige. Die Universität hat viele, zum Theil sehrreiche Stipendien zur Unterstützung für Studirende.

Tüb in g er W e r t rag. Er wurde geschloffen den gten Jul.1514 zwischen Herzog Ulrich von Würtemberg und seinem Volk, ,und ist die Grundlage aller Freiheit der Würtembsrger. Ulrichwar ein junger, feuriger, prachtliebender Fürst; sein Hof war derglänzendste in ganz Deutschland; auf Turniere und andere Hof-feste, auf Krieg und Ritterzüge waren große Summen gegangen, ^und zu dem allen verwalteten unredliche Männer seine Finanzen.Schon als er die Regierung antrat, lasteten mehrere hunderttau-send Gulden Schulden auf dem Lande, was Wunder, wenn sieunter solchen Umständen ums Jahr 1514 endlich über eine Milliongestiegen waren? Seine Gläubiger singen an, ihm durch ihrDringen beschwerlich zu fallen, und er wünschte schnell aus derunangenehmen Lage herauszukommen; aber nicht durch eigene Gin- »schränkung, wodurch er sich wohl hätte helfen mögen, sondern durchneue Abgaben und Steuern feiner Unterthanen. Schon seit 50Jahren war es im Herzogthum Sitte, in solchen Fällen einenLandtag der Prälaten, der Ritterschaft und der Landschaft auszu-schreiben, und mir letzterer hauptsächlich wegen der Steuerüber-nahi, e sich zu vergleichen — aber gerade eins solche Versammlungfcheaten, zwar nicht der Herzag selbst, aber doch seine jetzt nochustes über ihn vermögenden Räthe, Männer, auf welchen die Unzu-