Tübinger Vertrag izr
friedenheit und der Unwille des ganzen Landes lastete. Kon ihnenbewogen, ritt er lieber selbst in den einzelnen Städten umher, undsuchte die Einwohner und ihre Vorsteher "durch gute Worte undVersprechungen zu Übernahme und Tilgung seinep Schulden zu be-wegen. Sie waren willig, und hatten sich schon zu einer starkenAbgabe auf 12 Jahre anheischig gemacht; nur bedungen sie, daßaus ihrer Mitte Steuereinnehmer, sie zu erheben, aufgestellt wer-den mußten, damit ihr Opfer für seinen Zweck nicht verlorenwäre. Aber sey's, daß den Herzog diese Clausel beleidigte, oderdaß es ihm, der schnell seiner Schulden los zu seyn wünschte, mitdieser Steuer überhaupt zu langsam ging, oder daß er zu eigner Verwen-dung einen Theil derselben haben wollte — er ließ die bewilligteAbgabe fahren, und gab dem ihm gefällig dargestellten Projekt Ge-hör, eine Steuer auf'Fleisch, Wein, Mühlen u. s. s. zu legen, unddamit Wirthe, Fleischer, und Bäcker nicht zu kurz kamen, kleineresGewicht und,Maß bei fortdaurend altem Kaufpreis, einzuführen.Ohne Rücksprache mit der Landschaft war auch nicht einmal einVersuch dieser Art zu wagen; die ganze Landschaft mochte mansich nicht durch eine allgemeine Versammlung auf den HalS laden,und mit solch einem Vorschlag wieder bcj eitszel'ncn Städten um-herzureiten, schämte sich der Herzog wohl selbst. Darum wurdennur die Beamten non einigen wenigen einberufen, und sie durchDrohungen genöthigt, die Sache im Namen des ganzen Landesgutzuheißen. Wenn ein Regent solche Steuern auf solche Art ei-nem Volk aufdringt, welches an edlere Behandlung gewöhnt und .auf diese eifersüchtig ist, so beleidigt er es an seiner empfindlichstenSeite, und steigert die Unzufriedenheit über die Regierung zurAbneigung und zum Haß gegen seine eigene Person. So geschah esjetzt in Würtemberg. Das ganze Land wurde über die neue uner-hörte Last schwierig; unter Bauern und Wcinaärtnern brach ei-gentlicher Aufruhr aus. Die erste Bewegung ^geschah jm Rems- ^thale, im Schorndsrfer Oberamt. Abgaben an den Fürsten undstarke Bezahlungen an feine Beamten hinderten sie in ihrem gutenFortkommen um so mehr, da eine Reihe von Mißjahren auf ein-ander gefolgt war, das Wild ihre Felder verwüstete, da häufigeJagden und andere Frohndienste Fleiß und Betriebsamkeit der Men-schen lähmten. Es loderte die Flamme einigemal- hell auf; derBrand schien das ganze Land, ja ganz Schwaben ergreilen zuwollen —doch immer blieb es ohne Schaden. Dies geschah am EndeAprils und im Mai 1514. Der Herzog befand kick gerade in Hes-sen während dieser Vorfalle, und eilte schnell herbei, als er Nach-richt davon erhalten hatte. Es mißlang ein Versuch, welchen erin Person zur Beruhigung des Volkes machte, und bald bliebnichts übrig, als die Stände zu versammeln, wenn er deinSchlimmsten noch zuvorkommen wollte. Namentlich bestanden einigeStädte darauf, und er gab um so williger nach, weil er nur'vönihnen Bezahlung seiner Schulden zu gewarten hatte, sie die nächsteHülfe zu Dämpfung des Aufruhrs waren, und weil sich hoffenließ, die Mißvergnügten möchten sich van selbst beruhigen, MM,sie -inen Landtag zu'Abstellung ihrer Beschwerden veranstaltet sä-hen." Er ward auf den L5stkN Jun. nach Stuttgart adsgeschr'ke-ben. Allein die Bauer» und Weingärtncr hatten zu den Landta-gen, worauf bisher nur Städteabgeordneie. erschienen waren, keinZutrauen mehr; sie selbst müßten dabei s-.yn, wenn geholfen wev-