Turgot 149
glücklich im Kriege, und beging Fehler; „aber," sagt Voltaire, „ermachte sie immer wieder gut, uno bewirkte mit geringen Hülfsmit-teln viel." Er galt für den geschicktesten Feldherrn in Europa, ge-rade zu einer Zeit, wo die Kriegskunst mehr, als je vorher, stu-dirt ward. Obgleich er wegen seines Abfalls im Frondekriege ge-tadelt wurde; obgleich er in einem Alter von beinahe sechzig Jah-ren sich durch die Liebe verleiten ließ, ein Staatsgeheimniß zuentdecken; obgleich er in der Pfalz nnnöthig scheinende Grausam-keiten verübte: so behält er doch den Ruf eines Mannes vonWort, eines weisen und gemäßigten Mannes, da seine Tugendenund großen Talente die Schwachheiten und Fehler bedeckten, wel-che er mit so vielen andern Menschen gemein hatte (Manvergleiche auch mit diesem Artikel Conde, Fronde und Lud-wig XIV.). N. ?.
Turgot (Anne^Robert Jacques), Baron von Aulne, ein pa-triotischer und aufgeklärter französischer Staatsminister, Sohn desPräsidenten M. E. Turgot, wurde 1727 zu Paris geboren, undbestimmte sich in seiner Jugend zum geistlichen Stande. Er stu-dirte in der Sorbonne Theologie, und hielt in seinem 22sten Jahrezwei Reden „über die Bortheile, welche das Christen-thum der Menschheit verschafft habe." Impften Jahreübersetzte er Birgils Gedicht vom Landbau, und dies veranlaßteihn wahrscheinlich, seine Studien zu ändern, sich den Staatswis-senschaften zu widmen, und sich besonders der ökonomistischen Schule,deren Haupt Quesnai war, anzuschließen. Er verließ also dieSorbonne und begleitete den Handelsintendanten de Gournay aufseine» Reisen, ward nachher (1761) zum Intendanten von Limogesernannt, welches Amt er 12 Jahre lang zur größten Zufriedenheitder Einwohner jener Provinz verwaltete. Er lebte überaus spar-sam, theilte sehr große Wohlthaten aus, und sorgte auf das thä-tigste für Beschäftigung und Nahrung seiner Untergebenen. Erschaffte alte, durch Mißbrauch entstandene Auflagen ab, und ihmverdankte man die erste Idee und die erste Errichtung wohlthäti-ger Arbcissanstalten. Den 2gsten Aug. 1774 ernannte ihn Lud-wig XVI. zum Gsneralcontrollcur der Finanzen, und hier bewieser in einem weiter» Kreise seine edle, auf wirkliche Verbesserungenin der Verwaltung gerichtete, Denkart. Er verringerte die Zölleauf Einfuhrartikel, welche zu den Nothwendigkeiten des Lebens ge-hörten, ohne daß die Einnahme vermindert ward; er befreiete de»Handel von seinen Fesseln; er ermunterte die Gewerbe durch Er-weiterung der Rechte der Personen, welche sie betrieben, und durchdie Aufhebung der ausschließlichen Borrechte von Gesellschaften undZünften; er beförderte den Ackerbau durch Verringerung der Auf-lage»; er machte einen Entwurf zur Veränderung der Lehnrechte,welcher den Herren und Vasallen gleich heilsam gewesen wäre; erwümchtc gleichfalls das Salz in Frankreich zum freien Handelsar-tikel zu machen, und die Haushaltungskosten des Königs zu be-schränken; allein die Königin, Maria Antoinette warf schon deß-halb einen unauslöschlichen Haß auf ihn; man machte seine Planelächerlich, und gab zu dem Ende kleinen Schnupftabacksdosen denNamen Turgottin en 0 d er Plattitud en. Indessen brachteTurgot mehrere seiner wohlthätigen Plane zur Ausführung. DieGaronne und der Hafen von Marseille wurden für die Ausfuhrder inländischen Weine geöffnet; er stellte die Freiheit des Getrei-