! 5 6 Türkisches Reich
Dardanellen drangen, und der Hauptstadt drohten. In der Wer- !legenheit, worin sich jetzt die Pforte befand, dachten die Präto-riancr Jstambols, die Jenjitscheri, nur daran, sich ihres unterden letzter» Sultanen gesunkenen Einflugcs wieder zu bemächti-gen, und führten in der Hauptstadt eine in z6 Stunden vollen-dete Lhronrevolurion aus. Selim III. wurde am aystcn Mai 1807gestürzt, und sein Vetter Mustapha IV. mit Osmaus Säbel um-gürtet. Indeß konnte Mustapha's mnselmännische Rechtgläubig-reit die Zerrüttung des Reichs so wenig hindern, als die Reue- ,rungssucht und Heterodoxie Sclims, und schon am 28sten JuliI8»8 wurde Mustapha IV. von Mustapha Bairaktar vom Thronegestürzt, und der jetzige Großsultan Mahmud II., der letzte männ-liche Sprosse Osmans, darauf gehoben, der sich auch bet einerneuern Revolution, deren Opfer Mustapha Bairaktar gewordenist, erhalten hat. Der Krieg mit Rußland wuroe unter ihmzwar mit vielem Unglück geführt, doch durch den Frieden zu Bu-karest 1812 besser, als man erwarten konnte, beendigt , indembloß Bessarabien mit dem Theile von der Moldau, welcher jen-seit des Pruths liegt, abgetreten, und auf die Kaucasusprooin-zen jenseit des Kur Verzicht geleistet wurde, dagegen gab Ruß-land die übrigen eroberten Provinzen zurück, und überließ dieServier ihrem Schicksale, die 1814 ihren eignen Friesen mit derPforte schlössen, und darin die Bestätigung mehrerer Freiheitenerzwängen. Während des russischen Krieges hatten sich indeß diemeisten Paschen, selbst Ali in Janina, mit der Pforte ausgesöhnt,und Ägypten war beruhigt; auch lächelte Mabmud das Glück voneiner andern Seite, indem die fürchterlichen Wahabiten in Ägyp- >ten besiegt, und in ihre Wüsten zurückgetrieben, auch die heili-gen Städte wieder erobert wurden. Die neuesten Mißhelligkeitenmit Rußland, welche zum Theil durch den niederträchtigen Meu-chelmord Ezerni Georgs herbeigeführt waren, wurden 1817 dadurchausgeglichen, daß die Pforte die Mündungen der Donau aufge-opfert hat. -- Die Türkei oder das osmanische Reich erstrecktsich noch jetzt über die schönsten Provinzen dreier Erdtheile, überLhracien, Kleinasien, Ärmcnien, Syrien, Mesopotamien, Palä-stina, Ägypten und Griechenland, Provinzen, die einst die Wiegedes Menschengeschlechts, aber auch der Sitz der Cultur und Auf-klärung waren, wo einst die mächtigsten Reiche ihr Haupt erho-ben, und wo die geläuterlften aller Religionen hervorgingen.Nur mit Wehmuth können wir unsern Blick auf Länder werfen»wo alles, was des Menschen Geist mit dem höchsten Stolze er-füllt, ein Opfer der rohesten Barbarei und des blindesten Fana-tismus geworden ist, wo selbst die frischen Farben der nicht mehrgepflegten Natur ihr Colorit verlieren, wo die Pest aus Wüstenund Einöden haucht, und wo allenthalben Trümmer und Über- -bleiösel an eine bessere Vergangenheit mahnen! — Das Reich derOsmanen mag in feinem gegenwärtigen Umfange nach den bestenKarten etwa 41,900 Quadratmeilen halten. Davon kommen aufden europäischen Antheil, welcher Lhracien, Bulgar Jli, Scrf-vilajeti, Bosna, ganz Griechenland mit seinen Inseln, die Wal-lachei und die Moldau diesseits des Pruth enthält, 87cm, aufden asiatischen Theil, wohin Kleinasien mit seinen Insel», Sy-rien, Mesopotamien, Kjnrdistan, Armenien, u. s. w. gehören,
24,Zoo, und auf den afrikanischen Theil oder Ägypten 8900 Qua-