Typus 18-7
schlingender Band, daS den Mikrokosmus und MakrokoSmus de«Bildungen in ihrer Einheit, zugleich in einer unendlichen Ma>>-mchfaltigkeit der Zwischenstufen auS einander hält. Wie sinnvollsehen wir in den zarten Verästelungen mancher Moose schon dieherrlich«, freye Baumgestalt vorgebildet, und die nach den Gese-tzen der Krystallisation gebildeten Eisblume» des Winters sind ge-wissermaßen ahnungs- und bedeutungsvolle Träume der schlafendenNatur (Typen) von ihren herrlichen Blumenschöpsungen in derJahreszeit ihres Wachens. Und wenn der Arzt in dem Verlaufeeiner Krankheit, den Typus derselben, d. h. ihre eigenthümlicheForm und die Folge ihrer Erscheinungen erkannt hat, so sieht erdoch zugleich unwillkürlich von dieser besondern Ordnung hinüberauf die übrigen Krankhcilsfvrmcn und kommt am Ende wohl garmit Brow» darauf zu, überall nur Quantitätsvnterschiede gelte»zu lassen. Sollte nun aber das Gesetz, das augenscheinlich für di»Bildungen der Natur neben einander betrachtet, constitutio ist,nicht auch für die Entwickelung derselben in der Zeit, nach ein-ander, gültig seyn? ist es nicht offenbar eben so nothwendig einetypische Bedeutung der Geschichte anzunehmen, wie sich in denSpielen des Kinde« auch schon, der genauern Beobachtung, dieThaten und Schicksale des zukünftigen Mannes abspiegeln? Diesdie Veranlassung der einst in der Theologie mit so viel Vor-liebe ausgebildeten, in der neuern Zeit aber als Aberwitz und kin-disch« Spielerei verworfene Typik oder L y po log ie d. h. derWissenschaft von Personen, Ereignissen und Einrichtungen desL. L. welche eine vorbildende Beziehung auf Personen und Ereig-nisse und Einrichtungen in den neutestamentliche» Zeiten, demgroßen Gegensatz der alten und neuen Welt entsprechend, habensollen. Wir glauben, es ist viel Thorheit mit dem Aufsuchen derVorbilder im A. T. getrieben worden. Sehen wir doch selbst ei-nen mit Recht gepriesenen Naturphilosophen unsrer Zeit in seinenzum Theil ungemein herrlichen Analogien und Jnductionen aufdem Gebiete der Ratunviffenschaft mitunter zu solchen Spielereienund Vereinzelungen herabsteigen, bei deren A.iblick man ein gut-müthiges Lächeln nicht zurückhalten kann. ES gehört ein sehr seinund vorsichtig gebildeter Geschmack dazu, in dieser Sphäre nichtzu viel thun, und die Natur selbst ist in diesem Stücke so über-fließend reich, daß ihr Strom nur zu leicht über die Gränze derBesonnenheit mit fortreißt. Aber — wenn von Weissagungen aufden Heiland rm A. T. noch ferner die Rede seyn soll, ist es mög-lich, daß wir die typische Ansicht der alten Zeit überhaupt fallenlassen können? Kann wohl etwas lächerlicher, wenigstens unnatür-licher seyn, als ein vier bis fünf Stelle» des A. T. für weissa-gend zu halten, die, wahre vii ox macflinr, in die prosaische,bedeutungslose Reih« der rsinvergangenen alten Zeit, aller Ana-logie entgegen, sich eingeschlichen haben sollen? Keinen Unparteii-schen wird der Einwand ungläubiger Theologen: wenn es Typengeben solle, so müsse ihre Absicht von den Zeitgenossen schon er-kannt worden seyn, sonderlich beunruhigen können. Denn waSkann den unerschöpflichen Weltgeist hindern, um eine Harmonie zubegründen, die nur seinem Auge sich ganz enthüllt, da und dortden Dingen Bedeutung zu geben, die dem menschliche,, Verständeim Augenblicke verborgen bleibt, »nd in Hieroglyphen zu schr«-