Ungarn Lvz
andern Horden, innerhalb eines Jahrzehenbs das ganze Land vonden Karpathen bis znr Save, und von der Morawa bis zurGränze der Moldau eroberte. Ihre Anführer theilten unter sichdas Land und Arpad, ihr erster Feldherr, nahm für sich mehr alsdie Hälfte; jeder Anführer theilte dann wieder mit seinem Pulke,und die alten Einwohn.r, theils Slaven, theils Lvaren oder Alt-römer, wurden Sklaven. Dies ist der Anfang des Wagyarenreichsin Ungarn. Ein wildes Volk, wie die Magyaren, war aber durch-aus nicht geschaffen, sich an eine ruhige Existenz zu gewöhnen;die beiden ersten Jahrhunderte ihrer Geschichte füllen die Streifzüge,die sie bald gegen Westen, wo jedoch Heinrich der Städteerbauerund Otto der Große ihren wettern Anfällen Schranken setzten,bald geg^n Osten, wo sie bis vor die Thore von Constantinopeldrangen, unternahmen. Erst unter Arpaos Urenkel Geisa hörendiese Streifzüge auf und die Magyaren lernen allmählig in ihremeroberten Lande einheimisch seyn; Geisa selbst nimmt Y7Z die Laufeund ruft auch aus dem Abendlande Missionare zu sich', um dasChristenthum überall zu verbreiten. Mit den Milsionarien zogennun auch Deutsche herbei, die sich überall verbreiteten und deutscheCultur auf magyarischen Boden verpflanzten. Geisa beschützte dieFremdlinge, deren Werth er bald gehörig würdigen lernte; nochmehr aber sein Sohn Stephan der Heilige, der im Jahre rooo vonRom den Königstitel annahm, und den kirchlichen und polnischenEinrichtungen seines neuen Reichs eine ganz veränderte Gestaltgab. Die deutsche Verfassung, wie sie im zehnten Jahrhundert«bestand, wurde dabei zum Grunde gelegt, das ganze Land in 72Comitate getheilt und in dem höchsten Beamten, dem Lome-, dieCivil-und Militärgewalt vereinigt. Es entstand eine Rationalreprä-sentation, wohin jedoch bloß die höher« Districtsbcamten und di«dem Könige unmittelbar unterworfenen Grundeigenthümer berufe»wurden. Es war eine treffliche, schon in einander greifende Ver-fassung, so lange das bestand, was König Stephan angeordnethatte. Nur war es unmöglich, daß unter einem so uncultivirtenVolke, wie damals noch die Magyaren waren, diese ncugebildeteVerfassung sich lange in ihrer Integrität halten konnte. Beson-ders war ein Punkt, an den sich bald alles stieß, die Erbfolge imköniglichen Hause, die nichts weniger als geordnet war und bloßauf Obfervanzen beruhte; daher denn die vielen und großen Unru-hen, die nach Stephans Tode lozg über 4» Jahre lang das Reichzerrütteten, und den deutschen Königen Gelegenheit gaben, sich inUngarns Angelegenheiten zu mischen, und selbst König Peter 1044zwangen, sein Erbe von Deutschland als Lehn zu empfangen.Doch wurde dies Lehnsverhältniß schon 106z wieder aufgelöstund mit Ladislav I. kehrte 1077 die Ruhe zurück. Unter ihm undseinem Nachfolger wurden loyg Kroatien, und nog ganz Dalma»tien mit der Krone vereinigt. Unter Stephan II. wanderte 1124«in großer Schwärm von "Cumanen, und unter Geisa II. 1154mehrere Lausende von Flandrern und Riederdeulschen in das Reichein; erstere bekamen Wohnsitze qn der Theiß, lctzrre in Siebenbür-gen, Von Eeiia II- b>s guf seinen Enkxl Andreas II. war ei»steter Wechsel der Regierungen und eine Ungewißheit in der Thron-folge, bei der die Ausbildung der Nation nothwendig still stehen«ußte. Endlich erhielt 1222 die Nationalfceiheit durch die UrkundeKönigs Andreas II, ihre erst« vcrtragartige schriftliche Fixirung,