206 Ungarn
Köpfe. Nach Blumenbach wird Civilungarn mit Kroatien undSlavonien von 8,200,000 Menschen bewohnt, worunter etwa5,984,000 Slaven, 2,675,000 Magyaren, 633,000 Wallachen,570,000 Deutsche, 129,000 Juden, 48,000 Aiaeuner und 151«Griechen seyn mögen, die in 45 Städten, 657 Marktflecken, 840aDörfern und 922,672 Häusern wohnen. In Ungarn daben Carho-liken, Griechen, Lutheraner und Reformirte gleiche Rechte; manrechnet im Reiche 4,870,000 lateinische'und griechische Katholiken,i,544,100 Griechen, '1,050000 Reformirte, 650,000 Lutheranerund 129,000 Juden. In Hinsicht der Stände unterscheiden sichAdel und Volk: zu jenem gehören die hohen Prälaten und er istHerr, zu diesem die Bürger und Bauern, wovon die erster» zwarpersönlich frei sind und gewisser Vorrechte genießen, auch in denkdnigl. FreistLdten Theil an der Reichsstandschaft nehmen, dochaber einzeln keines der Vorrechte des Adels genießen. Die Bau-ern theilen sich wieder in freie, wohin die Jazygcn, Cumanen,deutschen Kolonisten u. a. gehören und in leibeigne, deren Zustandin neuern Zeiten gemildert ist, doch schmachten sie auch unter einerMenge von Frohnen und Herrndiensten und tragen die Staatslastenganz allein, wie denn in der ungarischen Reichstagssprache bloßder Adel, die Prälaten und königl. Freistädke populus in «klärn,alles übrige aber inisera conrribueiw plesss genannt wird. Wodie arbeitende Bolksclaffe unter einem solchen Fluche seufzt, dakann der Ackerbau und die producirende Industrie auf keiner ho«hen Stufe stehen. Dies ist auch in Ungar» der Fall, und trotz desgesegneten Bodens befinden sich Ackerbau und Viehzucht in demelendesten Zustande, und nur wo deutscher Fleiß den Boden düngt,da sieht es etwas besser aus. Eine Stapelwaare des Landes istder Wein, wovon man in Mitteljahren mehr als 2iZ Million Ei-mer keltert, und worunter sich die edelsten Gewächse finde»; werkennt nicht den herrlichen Most, den die Hegyalla um Tokai undTarczal erzeugt? nicht den vorzüglichen Menesch und andereUngac-weine? Aber auch an Tabak und Flachs, so wie an Obste, anedlen Früchten, an Honig, Wachs, Fischen, Galläpfeln Und an-dern Producten des Thiet- Und Pflanzenreichs ist Ungarn äußerer«deutlich reich; doch wirst das Mineralreich das Meiste in die Schaleder AuLsuhr. Man rechnet das jährliche Ausbringen an Metallenauf 2100 Mark Gold, 83.220 Mark Silber, Z8,ooo Centner Ku-pfer, 24,500 Cnt. Blei, 192,000 Cnt. Eisen, izo Ein. Quecksilber,,5250 Cnt. Antimonium, gooo Cnt. Kobalt, 500 Cnt. Gallmei,>40 Cnt- Auripigment, 1250 Cnt. Berggrün, 1800 Cnt. Alaun,:rz,ooo Cnt. Natrum, 400,000 Cnt. Steinkohlen und 955,000 Cnt.«Salz; außerdem hat Ungarn die edelsten Opale und mancherlei edlelZteine. Der Kunstfleiß ist zwar in neuern Zeiten um vieles leb-hafter geworden und einige Zweige desselben werben mit Fleiße undsZorliebe cultivirt, doch hängt es in andern wieder ganz von demiiuslande ab, und dürfte, so lange es seine veraltete Verfassungtk.nd Österreich sein Colonisationssystem gegen Ungarn beibehälk,Nie sich zu einem Manufatturstaate erheben können. Der Handelliegt ebenfalls in diesen Fesseln, und ist von dem Handelssystemedes großen- Kaiserstaats ganz isolirt. Trotz aller Beschränkungenbringt es aber so viele natürliche Güter zur Lllsfuhr, daß dessenun-geachtet das Übergewicht auf seiner Seite ist; igoo betrug mitVusschluff« des osmanifchen Handels seine Ausfuhr 29,150,000, die