2! r Union
der protestantischen Fürsten und Städte mit der katholischen Kir-che .bloß durch.VerhandliiiMn der Laien bewerkstelligt wissen woll-te, war schlau genug, doch wegen gänzlicher Verkennung des pro-testantischen Geistes unbrauchbar. Redlichere Willfährigkeit zu nach-giebigem Entgegenkommen sprach aus den Bercinigungsvorschla-gen, die der Churfürst von Mainz, Johann Philipp (Schönborn)i6üo durch feinen Kanzler von Boyncbnrg aufsetzen und unter derHand an einige deutsche Hofe gelangen ließ.. Sie trugen auf eineSynode von 24 Dkputirtcn beider Confessionen an» die die beider-seitigen symbolischen Bücher gegen einander abwägen und über dasReligionswesen Deutschlands entscheiden sollte, mußten aber schonwegen allzumilber Lccommodation der catholischeu Ünterscheidungs-lehren nach den Ansichten der evangelischen geheim und erfolglosbleiben. Lauter regte sich der Bischof Christoph Rosas de Spinola,der als Beichtvater der Gemahlin des Kaisers Leopold!, aus SpanienNach Wien gekommen war und seit 1675 bei zwanzig Jahr durchironische Schriften und Reisen an die deutschen evangelischen Höfeauf die Wiedervereinigung der Protestanten mit der catholischeuKirche hinarbeitete. Die Rücksicht auf den Kaiser, als dessen Ab-gesandter er sich ankündigte, verschaffte ihm freundliche Aufnahme,besonders zu Berlin und Hannover; doch brachten nähere Bespre-chungen nur seine Zweideutigkeit und den Mangel einer hinläng-lichen Vollmacht vom Papste an den Tag, und auch sein letzterVersuch, die verschiedenen Confessionen in Ungarn und Siebenbür-gen zusammenzubringen, scheiterte an der Vorsicht der Protestan-ten. Inzwischen trat der ihm weit überlegene Bischof Bossuet(s. d. Art,), der schon zur Bekehrung der französischen Protestan-ten eine nach Möglichkeit versüßte Auslegung des catholischen Glau-bens .geschrieben hatte, als Friedensvcrmittler seiner Kirche in Un-terhandlungen mit dem evangelischen Abt zu Loccum Molanus,der wahrscheinlich durch die Wünsche seines Herrn, des damalsdem Kaiser sehr ergebenen und von Frankreich aus bearbeitetenChurfürsten Ernst August von Hannover und der Gemahlin dessel-ben Sophie bestimmt oder gar aus Einfalt weit mehr, als einemprotestantischen Theologen geziemte, nachgab, und sich dadurch denVerdacht einer heimlichen Vorliebe für den CatholiciSmus zuzog.Noch viel entscheidender hatte der warme Antheil wirken können,den der große Leibn itz mit freimüthiger Abweisung der bossucti-schen Sophismen an der Sache nahm, wenn bei den BedingungenWossuerL. die im Grunde auf eine Vernichtung aller Eigenthüm-lichkeiten des Protestantismus hinausgingen, irgend einiger Beifallvon Seiten der Evangelischen zu hoffen gewesen wäre. Daher bliebdieser im letzten Decennium des ryten Jahrhunderts mit großemEifer und lebhaftem Schriftenwechsel betriebene Vereinigungsent-wurf ein Privatunternehmen, das sich durch den beinahe gleichzei-tigen Tod der dabei handelnden Hauptpersonen zerschlug. Seit-dem war wenig mehr von solchen Borschlägen die Rebe. Die vondem sorbonnischen Theologen Du. Pin mit dem Erzbischof Wakevon Canterbury über eine Union der französischen und englischenKirche 1717 bis 1719 gewechselten Schriften kamen damals niHteinmal zur öffentlichen Kunde; die nicht gehörig überlegten Annä-herungen des Pseudonymen FebroniuS (s. d. Art. Hontheim)wurden in seiner eigenen Kirche noch mehr gemißbilligt, als vonden Evangelischen; auf den Prr'vatantrag des Erzbischofs von Tu-