Union r iz
rin bella Lanze folgte 1772 mit Recht ein ablehnendes Gutach-ten von» Abt Jerusalem und die Einladung zur Rückkehr in denEchooß der Kirche., die Lecoz, Erzbischof von Besannen 1304 öf-fentlich an die protestantischen Prediger zu Paris richtete, konn-ten diese auch nur ablehnend beantworten: denn jene reumüthigeWiederkehr und Unterwerfung der Protestanten, worauf die katho-lische Kirche so lange bestehen muß, als sie ihren hierarchische»Grundsätzen nicht entsagen will, ist doch nur einzelnen Prosclytcnzuzumuthen. Der letzte, ernstlich gemeinte, auch selbst dem KaiserNapoleon 1806 vorgetragene Unionsplan des französische» Rrchts-gelehrtcn Beaufort, der den Kirchenfrieden durch das Überge-wicht der Staatsgewalt stiften lassen wollte, hatte endlich ausguten Gründen beide Kirche», wider sich. Die Vernünftigen allerParteien sind jetzt in der Überzeugung einverstanden, baß hierweder durch Zwangsmittel, noch durch Religwnsgespräche, noch durchFriedensverträge «über einzelne streitige Punkte, »überhaupt durchkeine halbe Maßregel etwas Ersprießliches auszurichten, sondernnur neuer Streit zu entzünde» »st; und wer das innere Wesenbeider Kirchen kennt, wird mit Plank (s. dessen Worte des Frie-dens an die catholische Kirche lMy) entweder für eine vollständige,oder wenn diese'nicht zu hoffen steht, wider jede Art von Verei-nigung stimmen. Denn da der Katholicismus und Prote-stantismus (vergl. d. Art.) ungeachtet ihrer Einigkeit in denGnmdlehren des Christenthums, doch gerade in Rücksicht auf dasKirchenthum, worauf bet einer äußern Vereiniguna offenbar dasMeiste ankommt, die schärfsten und unversöhnlichsten Gegensätzebilden; so muß entweder eine von beiden Kirchen ganz und ohneVorbehalt in die andere übergehen, oder der Stand der Dingebleiben, wie er gegenwärtig ist, bis mit der Zeit die fortschrei-tende Kultur und die stille Annäherung im Geist Erfolge vorberei-tet, die jetzt nur die unverzeihlichste Jndiscretion laut zu vermu-then, oder gar anzukündigen wagen könnte. Etwas anders ver-halt es sich mit dem Wunsche einer Union der beiden protestanti-schen Hauptparteien. So stark die evangelischen Theologen deslöten Jahrhunderts sich in die Meinung hineingestritten hatten,Kalvinismus und LutheraniSmus waren im Grunde und Wesender Lehre von einander verschieden und ganz unvereinbar; klar istes doch, daß ihrer Bereinigung eigentlich nur zweiBiffereiizpunkteim Wegs stehen: von Seiten der lutherischen Kirche die buchstäbli-che Erklärung der Einsctzungsworte des h. Abendmahls („das istmein Leib;" vergl. d. Art. Abendmahl und Ubiquitat), diedie philosophirende Vernunft der Reformirten anstößig findet, undvon Seiten der reformirtcn Kirche, die in aller Strenge von Cal-vin aufgestellte und von der dortrechter Synode bestätigte augusti-nische Theorie von einer partiellen Prädestination oder Gnadenwahl(s. d. Art. Gnade), die den Glauben der Lutherischen an dieallgemeine Liebe Gottes in Christo kränkt. Über den ersten dieserPunkte hatten sich die beiden Kirchen entzweit und die wittenber-gische Concordre (BerglcichS- und Emtrachts-Formel), die derstraßburgische Theolog Bneer 15,36 der Billigkeit oder KlugheitLuthers abgewann» 'konnte keinen Wirklichen Frieden herstellen(vergl. d. Art. Reform arte Kirche), ja die leidenschaftlichenStreitigkeiten und geaenscitiaen Verfolgungen in der letzten Hälftedes röten Jahrhunderts gaben dem SrctenhaZ immer neue Nah-