Vandalen 261
in Deutschland verschied«« Schriften für und Wider die Sache ver,anlaßtcn. Das gemeine Volk jener Länder glaubte nämlich, undglaubt es vielleicht zum Theil noch jetzt, daß die Leichname derer,die wegen Verdacht der Zauberei oder andrer Vergebungen imKirchenbann« gestorben waren, nicht verwesten, sondern an sichselbst nagten, des Nachts aus ihren Gräbern gingen, Personen,mit denen sie ehemals in Verbindung gestanden, das Blut aus-saugten, und sie so umbrächten. Wahrscheinlich mochte ein Leich-nam, den man noch unversehrt gefunden halte, zu dieser abergläu-bischen Erdichtung Anlaß gegeben haben. — Im figürlichenSinne nennt man bisweilen Vampyren solche Männer, diedurch ungerechte und drückende Auflagen, oder auch durch wucher-liche Unternehmungen, Geld von den Bewohnern eines Landes er-pressen, und ihnen gleichsam ihren Schweiß und ihr Blut aus-saugen.
Vandalen waren eine von den Nationen, welche durch dieberühmte Völkerwanderung den Untergang des römischen Reichsbeförderten. Ihr ursprünglicher Wohnsitz war höchst wahrschein-lich in dem Theile von Norddeutschland, der sich zwischen derElbe und der Weichsel hin erstreckt; die ältern römischen Schrift-steller reden immer sehr unbestimmt von ihnen. Seit dem drittenJahrhunderte der christlichen Zeitrechnung fährten sie, gemeinschaft-lich mit den Burgundern, Kriege gegen die Römer am Rhern.Unter dem Kaiser Aurelian (um das Jahr 272) ließen sie sich imwestlichen Theile von Dacien oder Siebenbürgen, und einemTheile des jetzigen Ungarns nieder. Als sie aus diesen Gegendenvon den Gothen verdrängt wurden, erlaubte ihnen Konstantinder Große, sich in Pannonien niederzulassen, wofür sie sich ver-pflichten mußten, den Römern im Kriege Hülfe zu leisten.' Eswar ein großer Mißgriff, den die Kaiser thaten» daß sie, beidem Verfall des römischen Kriegswesens,. Fremde unter ihre Le-gionen aufnahmen, und sie selbst zu den höchsten Würden erh»,ben. Die innere Schwäche der Römer wurde dadurch bei den so-genannten barbarischen, d. h. fremden Völkern immer bekannter,und diese dadurch kühner gemacht, wiederholte Angriffe auf dasrömische Reich zu wagen. Daß es unter den Vandalen Männervon Talenten gab, beweis't das Beispiel des Stilico, der vonGeburt ein Bandale war, und den Lheodosius der Große soschätzte, daß er ihn zum Rejchsvcrwefer für seinen zweiten SohnHonoriuS ernannte, und ihm seine Nichte Serena zur Ge-mahlin gab. Im I 406 verließen die Vandalen Pannonien, undzogen, vereint mit den Alanen und Sueven (s, d. Art.), nachGallien, wo sie große Verwüstungen anrichteten, von da über diePyrenäen (goy) in Spanien eindrangen, sich mit den Sueven indas heutige Altcastilien und Galicien theilten, und da ein Richerrichtete», dem sich die Alanen, die sich in Lufttanken niederge-lassen hatten, aber sich gegen die Angriffe der Westgothen alleinnicht behaupten konnten (420) unterwarfen. Zwischen den Van-daien und Sueven erregte die Eifersucht öftere Kriege; die erster»behielten zwar die Oberhand, mußten aber doch, von den Rö-mern gedrängt, aus Galicien weichen, und sich nach Bactria-- dem Küstenstriche des heutigen Königreichs Granada — ziehen.Die Römer bekriegten sie auch hier, erlitten aber (42z) eine großeNiederlage, und die Wandalen bekamen Muth zu neuen Unter-