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262 Wandalen

nehmungen, wozu ihnen bald Gelegenheit gegeben wurde. Ihrdamaliger König war Genserich (Gänserich), ein tapferer, kluger,unternehmender Fürst, und einer der größten Männer seinerzeit,der aber, weil er viel Verwüstungen durch seine Kriege verur,sachte, und von der rechtgläubigen Kirche zu der arianischen Par-tei übergetreten war, bei den Geschichtschreibern «:ncn schlimmenRuf erhalten hat. Das nördliche Afrika war zu dieser Zeit nochden Römern unterworfen. Der Startbalter dieser Provinz, Bo-nifacius, der vo» dem Kaiser Valenkini n III. beleidigt zu seynglaubte, wollte sich gegen den Kaiser durch die Hülse der Banda,len vertheidigen, und rüste diese, unter dem Versprechen, dieProvinz mit ihnen zu theilen, nach Afrika. Genlerich schifft«sich mit seinem ganzen Volko(427) in den Häfen von Andalusienein, Und ging nach Afrika über. Bonifacius war inzwischen mitdem Kaiser wieder ausgesöhnt worden, wollte daher sein Verspre-chen nicht erfüllen, und suchte zuletzt durch die Waffen die Wan-dalen zum Rückzüge zu nöthigen. Aber Bonifacius wurde besiegt;Genserich eroberte nach und nach den ganzen Theil vo» Afrika,der zu dem abendländischen Kaiserthume gehörte, und stiftete da«in mächtiges Reich, welches er bald mit den Inseln Sicilicii,Sardinien, Corsica, Majoren und Minorca vermehrte. SeineSchiffe beherrschten das mittelländische Meer, und verbreitetenSchrecken an den Küsten Italiens. Die Kaiserin Eudoria, WitweValentinians III., welche der Mörder dieses ihres Gemahls undUsurpator des kaiserlichen Throns, Maximus, gezwungen hatte,sich mit ihm zu vermählen, ruft« aus Rache die Vandalen nach Ita-lien. Genserich erschien bald (455), aus Begierde nach Beute,Mit einer mächtigen Flotte. In Rom war nicht die geringsteAnstalt zur Vertheidigung gemacht worden; alles floh, und derKaiser Marimus wurde nach sehr kurzer Regierung ermordet. DieVandalen plünderten nun vierzehn Tage lang Mom, und raubtenalle Kostbarkeiten und Kunstwerke, welche die Gothen (s. d. Art.)vormals übrig gelassen hatten. Eine Menge Bildsäulen und an-dre Denkmäler des Alterthums wurden weggenommen, um, nebstmehreren Tausenden vornehmer Gefangenen, nach Afrika gebrachtzu werden. Bei dieser Überfahrt ging ein Schiff, daS mit denkostbarsten Kunstwerken Roms beladen war, zu Grunde. PapstLeo, der dem Könige Genserich feierlich entgegen gegangen war,hatte nichts weiter, als die Berschonung mir Feuer und Schwertvon ihm erbitten können. — Diese rohe Wuth, mit welcher dieWandalen die schönsten Kunstwerke raubten, und größtenteilszerstörten, hat zu der Benennung Van d alismus Anlaß gege-ben , womit man auch in neuerer Zeit die Wuth der Revolutio-närs bezeichnete, alles, was das Gepräge der Cultur und Verfei-nerung trug, zu vernichten, und dagegen die rvheste Barbareieinzuführen. — Streitigkeiten unter Genserichs Nachkommen we-gen der Thronfolge veranlaßten den Untergang des vandalische»Reichs. Gelimer, ein unruhiger, ehrsüchtiger Prinz, verdrängteden rechtmäßigen König Hilderich, einen guten Regenten, vomThrone, und ließ ihn ermorden. Hilderich hatte in freundschaftli-cher Verbindung mit dem morgenländischen Kaiser Justinian ge-standen. Dieser kündigte, um jenes Tod zu rächen, eigentlichaber in der Absicht, sich Afrika zu unterwerfen, Gelimecn denKrieg an. JustinianS großer Feldherr, Belisarius, kam mit nur