Walpole (Robert Graf von Oxford) 447
Kriegsdienste und kehrte nach Österreich zu-ück. Im Anfange desMais 18^7 erhielt er an die Stelle des Grafen Nugent, der inneapolitanische Dienste trat, die Stelle des Oberbesrylshabers derim Königreiche Neapel zurückgebliebenen österrerchischen Truppen.Ein scharfer durchdringender Verstand, ein besonnener Überblickalles dessen, was zu Ausführung eines Unternehmens erfoderlichist, ruhige Entschlossenheit und Festigkeit des Charakters sind,verbunden mit einem edien Gemüth und großen Sinne, dieHauptzüge seines Wesens. Für eigentlich kühne gewagte Unter-nehmungen scheint er nicht gestimmt, allein dafür wird er destosicherer sein Ziel erreichen, das er seinen Kräften angemessen zuwählen weiß. Er ist persönlich tapfer und scheut die Gefahr nicht.Er besitzt viel Kenntnisse und viel Bildung für die Welt. Fürdie höhere Gesellschaft eigner er sich durch feine Sitten und dieGabe gut zu sprechen. Haß und Neid kennt er nicht, und selbstsein Ehrgeiz der, edlerer Natur, keine Äußerlichkeiten zum Ziel hat,ist ohne Leidenschaft. Deßhalb will er nie mehr scheinen als er ist,und selbst dieß lernt man- nur durch seine Thaten erkennen.
Walpvle (Robert, Graf von Oxford, Herzog von New-castle und Pair von Großbritannien), einer der berühmtesten eng-lischen Minister d:s vorigen Jahrhunderts, geboren 1S74, starb 1745.Er studirte zu Eaton und Cambridge, ward nach dem Tode seinesVaters Besitzer eines ansehnlichen Vermögens und, erst 26 Jahralt, von einem kleinen Flecken zum Depulirtcn ins Parlamentgewählt. Hier zeichnet« er sich bald durch seine Beredsamkeitund Thätigkeit vvrtheilhaft aus. Er gehörte zu der Partei berWhigs, die unter der Regierung Wilhelms III. und der KöniginAnna dem Hofe ergeben war, und blieb sein ganzes Lebenhindurch diesen Grundsätzen getreu. Im I. 1708 erhielt er denwichtigen Posten eines Kriegssccrelars. AIs aber zwei Jahre nach-her die Tories die Oberhand am Hofe erhielten, und Marlboroughgestürzt wurde, verlor auch Walpole seine Stelle, wrrrde von sei-nen Gegnern angeklagt, und selbst ins Gefängniß gebracht. ImZ. 171z wurde er wieder als Parlamentsglied gewählt, Und zeigtesich als einen eifrigen Vertheidiger der protestantischen Erbfolgein England. Als Georg I. (1714) den brittischen Thron bestieg,gewannen die Whigs wieder die Oberhand bei Hofe; Walpolewurde zum Zahlmeister der Truppen ernannt, und erlangtebald ein großes Ansetzn. Im I. 1721 wurde er Kanzlerder Schatzkammer, oder welches eben so viel ist, erster Minister,und behauptete sich, ungeachtet der heftigen Angriffe seiner Geg-ner, zwanzigJahre hindurch in diesem Posten. Es ist aus der Ge-schichte bekannt, welchen großen Antheil England damals an al-le» wichtigen Welthändeln nahm. König Georg und sein Mini-ster scheuten jedoch den Krieg, una suchten ihm durch geschickte Un-terhandlungen und mächtige Allianzen auszuweichen. Allein dieMittel, die sie in dieser Hinsicht anwendeten — starke Subsidienan auswärtige Mächte und öfter 'Ausrüstungen großer Flotten —waren Ursache, oder wurden wenigstens als Vorwand gebraucht,daß die Nationalschuld, die hei Georgs k. Regierungsantritt gzMillionen Pfund Sterlinge betrüg, während seiner friedlichen Re-gierung nicht' vermindert wurde. Walpole wendete aber auch ei-nen Theil d. s Schatzes zu Bestechungen an, um sich im Parla-mente Anhänger zu verschaffen, die seine Grundsätze unterstützten.