44S Walpole (Hsratlo Lord) . '
Er erklärte sich selbst über diesen Punkt ziemlich offen's» einerberühmten, sehr engerischen Rede, die er bei dem, Ausbruche desKriegs mit Spanien (1740) im Unterhause hielt. Überhaupt gal-ten ihm die Mittel gleich, wenn er nur seinen Zweck dadurcherreichen konnte. Bei alle,dem war Walpole ein großer Minister;das Wohl seines Vaterlandes lag ihm am Herzen, besonderssuchte er den Handel desselben empor zu bringen, und seine Be-mühungen deßwegen blieben nicht ohne Erfolg. Aus eben diesemGrunde suchte er auch jeden Krieg so viel möglich zu vermeiden.Als aber Spanien 1739 den zu Pard» geschlossenen Tractat nichterfüllte, sah er sich, ganz wider seine Neigung, gcnökyiget, derallgemeinen Stimme der Nation nachzugeben und jener Macht denKrieg zu erklären. Man klagte in England laut, und vielleichtnicht ohne Grund, über sein Zögern dabei. Ais er aber einmalden Entschluß zum Kriege gefaßt hatte, ergriff er kräftige Maß-regeln ihn zu führen, und bewies sich bei der Wahl der Befehls-haber ganz unparteiisch. Indessen machte die Nachgiebigkeit, dieer gegen die öffentliche Meinung gezeigt hatte, seine Gegner, diewenigstens einen halben Sieg über ihn erhalten zu haben glaubten,desto wüthiger; sie trugen im Parlamente auf die gänzliche Ent-fernung des Ministers an, die jedoch nicht erfolgte. Als aberWalpole beim wettern Fortgange des Kriegs fühlte, daß sein Ab-fetzn immer mehr abnahm und er auf eine Stimmenmehrheit imUnterhause nicht mehr sicher rechnen könnte, legte er 1742 seineStelle nieder. Er wurde vom Könige zum Pair von Großbri-tannien, unter dem Namen eines Grafen von Oxford und Her-zogs von Newcastle erhoben, und erhielt eine jährliche Pension von4000 Pfund Sterlinge, Seine Nachfolger im Minifterio befolgtendieselbe» Maßregeln, die sie vorher bestritten hatten, aber esfehlte ihnen Walpole's Geist. Eine Untersuchung, welche dieGegner des entlassenen Ministers über seine Administration, beson-ders über die von ihm in den letzter« zehn Jahren für den gehei-men Dienst ausgegebenen acht Millionen Pfund Sterling, ver-langte», blieb ohne Erfolg, und Walpole's Andenken ist in Eng-land noch immer in Ehren. Memoiren über Walpole's Leben undStaatsverwaltung, mit Belegen begleitet, hat der bekannte eng-lische Schriftsteller William Coxe 1793 in drei Bänden heraus-gegeben.
Walpole (Horatio Lord), als witziger Schriftstellerund Beförderer der englischen Literatur auch in Deutschland be-kannt, der jüngste Sohn des ehemaligen Ministers Robert Wal-pole, war 1718 geboren und starb 1797. Seine Mutter leiteteseine erste Jugendbilduug, und brachte ihm eine Abneigung gegendas Hofleben bei. Er studirte dann auf der Schule zu Eaton,rvo er mit dem bekannten Dichter Gray ein FreundschaftsbündnisMachte, mit dem er nachher 1739 einen Theil von Italien durch-keis'te.' Vom Jahre 1741 an wurde er viermal nach einander zumDeputirten im Unterhause gewählt, und zeigte bei allen Ver-handlungen einen festen, unbestechlichen Charakter. Aber vom Jahre176t an gab er alle Theilnahme an politischen Geschälten auf^zog sich auf sein durch ihn berühmt gewordnes Landhaus unweit.London zurück, und widmete sich hier ganz seinen literarijchen Lieb-lingsbeschäftigungen. Auf diesem Landhause legte er eine' eigne !Euchdruckerei an, welche schöne Ausgaben lieferte, deren Exem« >