4Zr .Wanken der Erdaxe
oft wohl ohne selbst recht zu wissen, wohin sie eigentlich gehensollen, auf die Wanderschaft: Diese müssen dann freilich ihre Er-fahrungen theuer genug erkaufen. Andre'sinden auf der Reise keinUnterkommen, entweder weil sie zu ungeschickt sind, oder weil sienicht Lust haben, sich an eine feste Lebensart zu gewöhnen; siewandern daher immer weiter, und mancher wandert sein ganzesLeben hindurch. Die unausbleibliche Folge davon ist Sittenver-,berbniß, Rohheit, Arbeitsscheu und bei entstehendem Mangel, Ber-suchung zu Betrügereien und Diebstählen. Ein andrer sichtbarerNachtheil ist der, daß die wandernden Handwerker dem Publicumbisweilen sehr zur Last fallen. Richt alle Handwerke gehören un-ter die Zahl der geschenkten, d. h. derjenigen, bei welchen diewandernden Gesellen mit einem festgesetzten Geschenke zum Rei-segelde versehen werden. Aber auch diese Gabe ist oft so gering,daß der von eignen Mitteln entblößte Reisende nicht dabei bestehenkann. Man hat in neuern Zeiten den Gegenstand des WandernS,der eine so zahlreiche Klaffe der Mitglieder des Staats angeht, fürwichtig genug gehalten, um ihn öffentlich zur Sprache zu bringen.Die königliche Societät der Wissenschaften in Göktingen gab imJahr 1797 die Preisfrage auf: Wie können die Vortheile, welchedurch das Wandern der Handwerksgesellen möglich sind, befördert,und die dabei vorkommenden Nachtheile verhütet werden? Unterwahrern darüber eingegangenen Beantwortungen erhielten die bei-den Schriften von Mohl und Ortloff (zusammen herausgegebenErlangen, 1798; des Letzter» Abhandlung auch einzeln, Ebend.)den Preis. So lange die Verfassungen der Zünfte noch beibehal-ten werden, wird auch das damit so genau verbundne Wandernder Gesellen Statt finden müssen. Nur sind Einrichtungen nöthig,um so viel möglich' Nachtheile und Mißbräuche zu verhüten. Eine ,löbliche Einrichtung unsrer Zeit sind die an mehrern Orten errich-teten Sonntagsschulen für Handwerker, deren Nützlichkeit von de-nen, die es selbst am nächsten angeht, vielleicht oft am wenigste»erkannt wird. In den königlich preußischen Staaten besteht schonlange ein Gesetz, welches den jungen Handwerkern das. Auswan-dern in fremde Lander streng verbietet. I» einigen deutschen Pro-vinzen sind Wände rordnungen gegeben worden, die aber mei-stens nur local sind. Anstatt der gewöhnlichen Wanderpäffe oderKundschaften, deren leichte und unerschwerte Erlangung man-nichfaltige Mißbräuche beförderte, sind in Bayern 1808 und in ^Sachsen i3lo Wan d erbüch er-eingeführt worden, welche untcrobrigkeitlicher Autorität ausgefertiget werden. (S. auch: Prels-schrlft vom Wandern der Handwerksgesellen. Nürnberg, 1809.)
Wanken der Erdaxe oder Mutation. Dieses ist eine ,kleine Bewegung der Erdaxe von l 8 Secunden, welch« durchden Mond veranlaßt wird. Die Erdaxe durchläuft in 18 Jahren leinen kleinen Strich von i8 Secunden und ist am Ende der 18 'Jahre, wieder gegen den Punkt des Himmels gerichtet, ^gegenden sie im Anfange derselben gerichtet war. Die Ursache liegt :in der anziehenden Kraft des Mondes, und in der Abplattung der .Erde« Man stellt sich die Sache am leichtesten in folgender Weisevor: Um den Äquator liegt ein Ring, der Z Meilen dick ist, und lallmahlig gegen die Pole ausläust. Dieser Ring wäre nicht da,wenn die Erde eine vollkommne Kugel wäre. In Hinsicht des lMondes, der in 2Y Tagen seine Bahn durchläuft, kann man sich
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