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482 Wasserscheu

«zählt, »'» welchem erst y Monate nach geschehener Verwundungdie ersten Symptome der Wasserscheu sich zeigten. Ihre Zufälle ,und Erscheinungen sind gewöhnlich folgende. Die Wunde, inwelche das Gift eingedrungen ist, entzündet sich. Ist sie schonzugeheilt, so wird sie meistens wieder roth, entzündet sich vonneuem, bricht wieder auf, und oft zieht sich von der Stelle der :Wunde ein rother Streif nach dem Taufe der Venen oder der lymphati- 'schcn Gefäße. Zugleich stellt sich Niedergeschlagenheit des Gemüths, be- lsondere Angst, und ein trüber scheuer Blick der Augen ein, es entste-hen überhaupt mehrere Zufälle eines wahren Ncrvenfiebcrs, Frö- lstellt, leichte Zuckungen, Krämpse in , verschiedenen Theilen desKörpers, der Puls wird meistens schnell, häufig und etwas hart.Das Athmen wird ängstlich, schnell und kurz, es erfolgt Ekel,Erbrechen, Schmerz in der Magenqegend, Zusammenziehen des >Schlundes. Letzteres Symptom vermehrt sich endlich so sehr, daß jder Kranke Nicht mehr im Stande ist, Wasser oder irgend eineandere Flüssigkeit zu, sich zu nehmen, ja schon der bloße Anblick 'derselben, oder sogar einer andern Sache, welche eine glänzendeOberfläche hat, kann, wenn die Krankheit ihre Höhe erreicht bat,den Anfall von heftige« Convulflonen und zusammenschnürendenKrämpfen des Halses erwecken. Harte Spesen kann er jedochnoch verschlucken. Dabei verändert sich die Stimme des Kranken,

»r spricht hastig und in einem heisern Tone, ,so daß seine Sprachemit dem Bellen eines Hundes zuweilen eine Ähnlichkeit hat. Ausdem Munde sondert sich eine Menge Speichel ab, und es zeigt sichIn den periodischen Wuthanfällen des Kranken eine besondere Nei-gung zu beißen, und nach allem, was er erlangen kann, zu Ischnappen. Der Speichel eines solchen Kranken, wenn er in die ?Bißwunde kommt, kann wieder anstecken und dieselbe Krankheithervorbringen. Endlich erschöpfen sich die Raturkräfte in dem ent-setzlichen Krampfe und der Tod erfolgt gewöhnlich am sechsten«der siebenten Tage, zuweilen auch noch eher, manchmal ruhig und ,aus Schwäche, zuweilen noch unter Convulflonen. Über das We-sen der Krankheit selbst haben von jeher verschiedene Meinungengeherrscht. Die Furcht vor derselben hat in älter» Zeiten beinahealle nähere Untersuchung und genauere Behandlung verhindert.

Den neuern Ansichten und Versuchen zufolge ist höchst wahrschein-lich das Wesen dieser Krankheit in einer durchgreifenden specifi-schen Entzündung, wilche den ganzen Organismus, vorzüglichaber das Rcrvengeflecht der Oberbauchgegend und den Stinun-nerven ergreift, gegründet. Diese Entzündung muß deßhalb einespecifische seyn, weil sie von einem specifischen animalischen Gifte, !dem eingebrachten Wuthgifte, verursacht wird, und sie ergreift die ^animalisch-organische Sphäre der Reproduktion so gewaltsam, daß !sie diese zu der Producirung eines gleichen Giftes zwingt, unddaher selbst die Thätigkeit der Rervcnfphäre, als der Beherrscherinder Reproduction, auf das heftigste verrückt. Hieraus sind allebei der Krankheit vorkommenden Erscheinungen, die Fieberbewe-gung, die periodischen Anfälle von Angst und Wuth, die Konvul-sionen, die Krämpfe im Halse, die Veränderung der Sprache,endlich die Erzeugung des im Speichel befindlichen Wuthgiskes,abzuleiten. Daß durch diese Krankheit die Erhaltung des Kör-pers, in der Quille angegriffen, die Masse verändert wird, istschon daraus ersichtlich, weil das Blut dieser Kranken, wenn es