zo6 Weichbild Weichselzopf ,
Die Benennung kommt wahrscheinlich von dem alten Wort«Wehre, Werth, her; Wehrgeld ist demnach der Preis, nachwelchem einer in der bürgerlichen Gesellschaft geschätzt ward, undwelchen der Mörder desselben an die Verwandten des Getödtctenbezahlen mußte. Bei unsern Vorfahren, den alten Deutschen,war nach Tacitus Bericht schon eine Art von Wehrgeld eingeführt.Da das Geld bei ihnen noch selten oder ganz ungewöhnlich war,so wurde der Todschlag mit einer bestimmten Anzahl Rinder undSchafe gebüßt, welche an die Verwandten des Ermordeten gege-ben werden mußten. — In Polen hatte der Adel ehemals dasVorrecht, einen Todschlag mit Geld abzukaufen. Aber diese»Vorrecht wurde auf dem Reichstage 1767 aufgehoben.
Weichbild, heißt: 1. das zu einer Stadt gehörige Gebiet,bisweilen auch die Stadt selbst mit ihrem Gebiete, gewöhnlichaber die Stadtflur außerhalb der Ringmauern, weil man in äl-tern Zeiten in Deutschland die Gränzen eines Stadtgebietes durchgeweihte Bilder oder Crucifixe zu bezeichnen pflegte. Manhat diese Benennung auch von dem lateinischen Worte vicu«, wo-durch man bisweilen in Deutschland eine Stadt bezeichnete, unddem Bilde oder Siegel der Stadt, herleiten wollen. 2. Das^tadtrecht, der Inbegriff der Stadtrechte oder Gesetze, dieJuris-diction der Stadt. Alles, was innerhalb eines Stadtgebietes oderWeichbildes Streitiges oder Gewaltthätigcs vorfiel, sollte nach denRechten und Gesetzen jeder Stadt entschieden werden.
Weichsel (poln. Vislo, latein. Vietula), ein großer,schiffbarer Strom, der im Fürstenthume Feschen, am südlichenAbhänge der Karpathen entspringt, in seinem Laufe gegen Ostennach Cracau, dann gegen Nordwesten nach Warschau und Thorn,verschiedene Flüsse aufnimmt, und sich oberhalb Danzig in dreiArme theilt, wovon der eine bei der kleinen Festung Wxichsel-münde in die Ostsee fällt, die beiden andern aber — die Nogatund Altweichsel — in das frische Haf gehen. Die Weichsel lie-fert viele und gute Fische; der größte Vortheil aber, den siePolen gewährt, ist die bequeme Ausfuhr der Landesproducte, anGetraide, Hol; rc., die auf einer großen Anzahl von Schiffenund Flößen jährlich nach Danzig gebracht und von da weiter aus-geführt werden.
Weichselzopf, eine Krankheit der Haare, die zunächstin Pole» einheimisch ist, und darin bereits seit den Einfällender Tartarn im izten Jahrhundert existirt. Die Arzte sind anOrt und Stelle über die Natur und die eigentlichen Verhältnisse'dieser Krankheit keineswegs einig, und die meisten sehen darinnur eine Art von Krisis einer andern Krankheit, die mit dervenerischen die meiste Ähnlichkeit zu haben scheint. Andere leitendie ganze Krankheit von der unter den niedern Ständen Polensherrschenden Unsauberkeit, von der Gewohnheit der heißen Kopf-bedeckung, von der Meinung daselbst her, daß diese Krankheitder Haare den Ausgang einer andern Krankheit bewirke, unddaher durch Wärme, Verhüllung befördert, unterhalten, dasAbschneiden sorgfältig vermieden werden müsse, Die neuesten Er-fahrungen, die Larrey, der berühmte französische Wundarzt,darüber in Polen während des Feldzugs iZoü — 7 einzog, schei-nen darüber folgendes festsetzen zu lassen. Der Weichselzopf istein? eigne krankhafte Verwirrung der Haare, mit Schmerzen in