Wrigcliancr 5«7
der Kopfhaut, stinkender Ausdünstung und Anhäufung von Eiter,Ungeziefer, Jauche verbunden, die sich meistentheils bei veneri-schen und scrophulösen Personen in den niedern Ständen Po-lens vorfindet, und in so fern als die Abscheidung eines fremdenKrankheitsstvffes betrachtet werden kann, als der Trieb der Gästenach dem Kopf sehr groß ist, und die schnelle Unterdrückung des-selben durch Abschneiden der hitzendcn Haare, welche so verdicktfind, um so mehr.«ine todiliche Anhäufung in andern Theilenveranlassen würde, je kälter das dortige Clima ist. Larrcy schnittverschiedenen solcher Kranken in einer andern Jahreszeit, als demWinter, den Weichselzopf ab, und sah nie Nachtheil erfolgen,weil er den Kopf warm bedecken ließ. Er fand stets, daß dieHaare an sich unverändert waren, daß aus ihnen selbst beim Ab-schneiden keine Feuchtigkeit herausdrang, wie man wohl in eini-gen Schriftstellern lies't; daß auch das Abschneiden keinen Schmerzverursachte. Das Abschneiden der Haare, Reinlichkeit derselben,fleißiges Kämmen verhindert die Krankheit in Polen, wie in al-len andern Ländern, und darum find nur die niedern Stände,besonders aber die Juden damit heimgesucht, wozu nun das Vor-urtheil: die sich bildende Verwirrung und Berdickung durchSchweiß, Schmutz rc., zu unterhalten, noch reichlich beiträgt,und die Krankheit nur noch auffallender macht. Im Bart zeigtsich die Krankheit bei den Juden nicht, weil sie diesen sorgfälti-ger beachten, als die Kopfhaare. Wegen der in Polen herr-schenden Unreinlichkeit findet sich selbst unter den Pferden in derMähne häufig ein« Art Weichsclzopf. Da lang« feine Haaresich leicht verwirren, wenn sie nicht fleißig gekämmt und gewa-schen werden, so muß schon dieses, mit warmer Kopfbedeckungverbunden, den Weichselzopf unzähligem»! erregen, den dann dasBorurtheil nährt und pflegt, bis der ganze Körper dadurchkränklich wird, und man nicht entscheiden kann, was Ursache oderFolge ist. ' *r.
Weigelianer war der Name einer Secte schwärmerischerMystiker des ihten Jahrhunderts, die sich vorzüglich in Obersach-sen ausbreiteten. Der Stifter der Secte war Valentin Wei-gel, Pfarrer zu Lschopau im sächsischen Erzgebirge, geboren1533 zu Großenhain in Sachsen, gestorben 1588- Weigel war,so viel man von ihm weiß, ein frommer unbescholtner Mann, undbeliebter Prediger. Er hatte die Schriften des Lheophrastus Pa-racelsus (s. d. Art.) gelesen, und glaubte, darin viel geheimniß-volle Weisheit gefunden zn haben, die er in seine Erbauungsbü-cher übertrug. Seine Schriften wurden erst lange nach seinemTode (1611 — 1621) von dem Kantor Weichert zu Lschopau, zuHalle und Magdeburg herausgegeben, und erregten unter denTheologen viel Aufsehen, vielleicht mehr, als der Gegenstand ver-diente. Nur von einigen seiner Schriften mögen hier die Titelstehen: Kirchen- und Hauspostill über die Evangelien; Principal-und Haupttractat von der Gelassenheit; das Büchlein vom Ge-bet; der güldne Ehrist, das ist, Anleitung, alle Dinge ohneIrrthum zu erkennen, vielen Hochgelehrten unbekannt, un^dochallen Mensche» zu wissen nothwendig. Er spricht in diesen Schrif-ten viel vom angebornen innern Lichte, von der Salbung imMenschen, durch welche man unterrichtet werden müsse, weil sonstalle« andere Lehren und Unterrichten umsonst sey. Daher nennt