Weikard 5c>-
Fürsten zu Fulda und wurde beordert, eilig dahin abzugehen.Sein Gehalt bestand in hundert Thalern, freier Tafel, etwasFrucht und Holz, wurde jedoch bald etwas erhöht. Räch derAbreise des Leibarztes, der zugleich Professor war, wurde ihmauch zugleich eine Prosessorstelle mit dem Gehalt von hundert Gul-den zu Theil, wozu in der Folge noch fünfzig Gulden hinzuka-men; auch ward er von. mehreren gelehrten Gesellschaften zumMtgliede ernannt. Seine erste Laufbahn in Fulda war'vollSorgen und Kummer, was viel zur Vermehrung feiner Kränk-lichkeit beitrug und besonders eine krankhaft erhöhte Empfindlich-keit seines Nervensystems begründete, die ihn nie ganz wiederverließ. In dieser Lage schrieb er den philovhilchen Arzt. einBuch, welches ihm in der Folge viele Unannehmlichkeiten zuzog.Es wurde bei zn Thalern Strafe verboten, und in die Schulenwar der Befehl ergangen, daß der Student, welcher den philoso-phischen Arzt besäße, excludirt werden sollte. Das Buch wurdeindessen einigemal neu aufgelegt. — Im I. 1784 trat er, einemRuf nach Petersburg zu Folge, die Reise nach Rußland an, wel-che vom i6ten Februar bis zum 24sten März dauerte. In Pe-tersburg fand er eine eingerichtete Wohnung, 1000 Rubel zurReise und 2500 Rubel Gehalt als Hofarzt. Die Kaiserin nahmihn günstig auf, und gab Aufträge, ein Haus für ihn zu kaufen.Er wurde zum Kammermcdkcus ernannt und konnte bei der Toi-lette der Kaiserin in die Antichambre gehen, wie der Leibarzt undLeibchirurg. Es fehlte dabei nicht an Verdruß und Kränkungmancherlei Art, welche ihm theils seine Neider, theils seine ei-gene Heftigkeit und kränkliche Reizbarkeit zuzogen. Von der Kai-serin bkkqm er 10,000 Rubel zu einem Hause geschenkt. Allmäh-llg wurde ihm dessen ungeachtet das Leben 'in Rußland sehr verlei-det, und der Wunsch, dieses Land wieder verlassen zu können,wurde täglich lebhafter in seiner Seele. Hierzu trugen mehrereUmstände bei, hauptsächlich die Übeln Gerüchte, die seine Feinde,deren er täglich mehr bekam, von ihm verbreiteten, und die Ka-bale», die immer angelegt wurden, ihn zu stürzen. Vorzüglichwurde er von einigen russischen Ärzten, die eifersüchtig aaf feindnärztlichen Ruf waren, angefeindet; durch sie wurden mehrere fal-sche Nachrichten über mißlungene Euren in Umlauf gebracht, z. B.wenn irgend eine Person gestorben war, so hieß es, Weikard hatsie in der Cur gehabt, u. s. w. Auch seine häuslichen Verhält-nisse waren mitunter drückend für ihn, indem seine Dienerschaftihn bestahl, und durch andere Händel ihm Verdruß erweckte.Hierzu kamen seine Verhältnisse mit Zimmermann in Hannover,an welchem er den wärmsten Freulld zu besitzen glaubte und mitdem er im Briefwechsel stcknd, der jedoch in der Folge mit ihmunzufrieden war. Im I. 1787 kam Weikard mit zu der großenraurischen Reise, die rhm jedoch theils durch Gichtfchmerzen,theils durch seine Reisegesellschaft verbittert wurde. Nach derRückkehr nach Petersburg, da sich die Umstände für Weikarv eherverschlimmert, als verbessert hatten, dachte er ernstlich daran,nach Deutschland zurückzukehren. Er bat daher im I. 1739 beider Kaiserin um Uriaub auf ein Jahr, den er nebst der Zusiche,rung seines Gehalts auf diese Zeit auch erhielt. Er reis'te in Ge-sellschaft einer Gräsi» Baratinky nach Frankfurt a. M., wo er«inige Zeit im Stillen für sich lebte. Dann begleitete er die Grä-