Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
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Weirhaupt Sl-

Er geht damit, wie mit der Gesundheit. Man merkt sie nicht, solange man sie hat. Wer seine Ohren nicht den Wehklagen -erElenden, sein Herz nicht dem sanften Mitleiden verschließt; werder Unglücklichen Freund und Bruder ist; wer alle Kreaturenliebt; wer mit Vorsatz auch nicht den Wurm zertritt, der sich un-ter seinem Fuße krümmt; wer ein Herz sür Liebe und Freundschafthat; wer standhält in Widerwärtigkeiten, unermüdet eine ange-fangene gute Eiche durchzusetzen, unerschrocken in Überwindungvon Schwierigkeiten ist; wer des Schwächer» nicht spottet; wessenSeele fühlbar sür große Entwürfe ist, begierig, sich über alles nie-drige Interesse zu erleben und durch graste Wohlthaten auszu-zeichnen; wer den Müßiggang flieht; wer keine Art von Kenntnis-sen für unnütz hält, welche er zu erlangen Gelegenheit hat, aberMenschcnkenntniß sein Hauptstndium seyn läßt; wer, w» es umWahrheit und Tugend zu thun ist, sich über den Beifall des gro-ßen Haufens hinwegzusetzen, und seinem Herzen zu folgen Muthhat: — das ist der Mann für uns. Nach diesem Maßstabe müssenSie Ihre Untergebenen bilden, ihre Seele» erweitern, sie vvmNiedrigen ablenken. Wer zu sehr am Kleinen hängt, «ine» zu en-gen Gesichtskreis hat, und nicht sich über die engen Verhältnissehinaussetzen kann, der ist uns unnütz.— Lesen Sie mit Ihren Unter-gebenen gute, leicht begreifliche, seelenerhsbende Bücher. RedenSie »iel mit ihnen, aber nicht aus dem Kdpfe, sondern au« demHerzen. Sie selbst müssen glühen, wenn sich Andere an Ihnenerwärmen sollen. Ihr Vertrag muß daher lebhaft seyn; bloßeEinfalt und Unschuld des Herzens sollen das Wort führen, wo Be-redsamkeit mangelt. Sie müssen lebhafte Begierden, Entschlüsse zuerwecken verstehen. Ihre Leute müssen sich nach der Stunde seh-nen , wo Sie das alles in Erfüllung bringen können. Sie müsse«zeigen, daß es Ihnen Ernst sey, daß Sie von der Wahrheit undGüte der Sache durchdrungen seyen, daß es nicht Speculation sey,daß Sie empfunden haben, was Sie sagen. Aber hüten Sie sich,daß Ihre Thaten nicht das Gegentheil reden. Übrigen« keineDeklamation, keine kraftlose Moral, keine subtilen unnützen Meta-physiken, die deü Menschen nicht besser machen. Alles muß an-schauend seyn, voll Bilder und Beispiele; den Satz gleich auf ein-zelne Fälle angewendet, die Folgen, die Wichtigkeit, den Nutzengezeigt. — Ihre Untergebenen müssen arbeiten, lesen, denken,«mpsinde», handeln. Üben Sie sich mit ihnen, erwecken St: ih-ren Muth. Zeigen Sie ihnen, welchen Vortheil jede ihrer Arbei-ten hat. Man arbeitet gern, wenn man Vortheil vor sich sieht,wenn die Sache uns nicht schwer gemacht, wenn die Sache nichtzu trocken, unrichtig, speculativ vorgetragen wird. Sie werdenschon finden, wo es Ihren Leuten fehlt; aber Sie müssen Jedenauf eine eigene Art behandeln, um ihnen den Gegenstand anziehendzu machen. Man kann alles mit den Menschen machen, wenn ma»ihre herrschenden Neigungen zu seinem Vortheile zu nützen ver-steht. — Die größte Wissenschaft für den Menschen ist Menschen-kenntniß. Mach«» Sie diese vorzüglich Ihren Zöglingen in-teressant. Ein Mensch, der daran Geschmack findet, ist sür unsnicht verloren. Dadurch lernt er die Kunst, Andere zu beurthei-len, zu leiten, und sich selbst so zu betragen, baß Andere gut von ihmurtheilen. Er lernt Klugheit, wird aufmerksam auf sich selbst,und bessert sich. — Zangen Sie mit Ihren Leuten von kleinen