5 so Weishaupt
Versuchen an; werfe» Sie ihnen leichte Fragen in, Umgänge auf,die dahin abzielen, wie man den Menschen aller Verstellung un-geachtet ausforschen seil. Im Anfange müssen die Fragen leichtseyn, so daß die Beantwortung gleich mündlich geschehen kann.Da Sie sehen , wie viele Mühe es kostet, die Menschen dahin zubringen, wo may sie erwartet; so versäumen Sie zwar keine Gele-genheit, überall, so viel Sie können, gesunde Grundsätze zu ver-breiten, Muth und Entschlossenheit zu erwecken; aber merken Siesich dabei; man kommt mit der Menge nicht znrccht. Wer Alleändern will, ändert Niemand. Daher theilen Sie sich in dieseArbeit mit den Mitgliedern dieses Grades an ihrem Orte. Su-chen Sie sich einen, zwei, höchstens drei Minervalcu aus, bei de-nen Sie am mehresten Ansehen und Credit haben, denen Sie ammehrcsten gewachsen sind. Aber diesen schenken Sie alle ihre Müh«und Sorgfalt. Sie haben gewiß etwas Großes gethan,wenn Sie drei gute Menschen in Ihrem Leben gebil-det haben. — Gagen Sie eS allen Ihren Lcutcn ohne Scheueund Bedenken, daß der Orden Niemand bittet, einzutreten oderdarin zu bleiben. Es ist ihm gleichgültig, ob er wenige oder vieleMitarbeiter hat, ob sie reich oder arm, Fürstensohn« oder Hand-werker sind.' Hohe und Reiche sucht er am allerwenigsten, dennfie schlagen selten gut ein. Gewöhnlich verhindern sie ihreGlücksumstande und Lagen einzusehen, wie nöthig ein Mensch demandern sey; und eben darum sind sie selten gute Menschen.Nähren Sie bei Niemand betrügliche Hoffnungen. Versprechen Siewenig, um viel leisten zu können. Dem Niedergeschlagenen machenSie Muth; bei dem gar zu Muthigen suchen Sie durch Bedenk-lichkeiten und Vorstellung der Gefahren das Übermaß «inzuschrän.kcn. Im Unglücke soll der vernünftige Mann hoffen, und imGlücke fürchten. Hier haben Sie nun unsern Unterricht, um einguter und sicherer Führer hoffnungsvoller Menschen zu werden.Vermehren Sie auf diese Art das Heer der Edeln und Auscrwähl-ten; und wenn Ihnen je Ihre eigene Glückseligkeit theuer war, soentschließen Sie sich, nach unserer Anleitung mitzuarbeiten, soviele tausend Menschen, die so leicht gut seyn könnten und so gernwollten, der fatalen Nothwendigkeit, böse zu seyn,, zu entreißen.Die mehresten sind nur deßwegen böse, weil das Übergewicht derBösen alle Macht in Händen hat. Glückliche und Unglückliche zumachen, und weil der Lugend bei diesem sichtbaren Übergewichtenichts übrig zu seyn scheint, als zu schweigen, zu dulden, sich zukrümmen, oder wohl gar dem Laster zu Höhnen. Glauben Sieuns, wir wissen es aus Erfahrung. Nehmen Sie dem Laster seineMacht, legen Sie der Tugend dafür jenes so unglückliche Überge-wicht bei, und alle Welt wird gut seyn. Aber das Laster ist nurdeßwegen mächtig, weil die Guten zu unthätig sind, oder zu früh,zu gewaltsam etwas unternehmen; will sie sich trennen, oder tren-nen lassen; weil sie sich immer mit der Zukunft trösten, ohne einesolche Revolution vorzubereiten; weil die Zeit alles thun soll, undsie sich indessen lieber schmiegen, als thätig gegen das Reich desLasters seyn wollen."— Er wollte eigentlich die Grundsätze und Ein-richtungen, welche der Orden der Jesuiten zur Begründung seinerboshaften Zwecke gebrauchte, zur Erreichung und Verwirklichungdes Guten angewendet wissen; dich war wirklich ein gefährlich«»Wagstück, was auch dio Folgezeit bestätigte. Merkwürdig ist