Weishaupt 521
vorzüglich das Ritual der Aufnahme in den Illuminatenorden;da dasselbe bei dem Artikel Illuminatenorden nicht mitgetheilt wer-den konnte, so mag es hier als ein nothwendiger Zusatz beigegeden«erden. Wir heben nur dat Wichtigste davon heraus und glau-ben dadurch bis zur Evidenz zu erweisen, da- der Illuminatenor-den mit Recht den Namen Jlluminatensreimaurerorden führte; —ferner, daß die Schrödersche Form der Maurerei, wenige Modifi-kationen ausgenommen, ganz aus den Statuten und Ritualen derZlluminaten constituirt worden ist. — Das Noviziat dauerte oft2 bis Z Jahre, ehe die Aufnahme in den ersten Grad erfolgte.Der Aufgenommene hieß Miuervalir. Die Aufnahm« geschah imBeiseyn des Obern, oder des Delezari, des Secretärs und besNccipienten als Pathen des Aufzunehmenden. Das Aufnahmezim-mer ward nur von Z Lampen erleuchtet. Auf dem Tische, um wel-chen die Deputirten saßen, stand eine Lampe von weißem Glase,zwei andere standen auf ein Paar Consoltischcn. Bei seiner An-kunft mußte der Eandidat Hut und Degen ablegen, alsdann warder in ein finsteres Zimmer geführt. Hier blieb er ro bis 15 Mi-nuten feinem Nachdenken überlassen. Der Obere that sodann zweiSchlüge, diese wiederholte der Reckpient an der Thüre des Borbe-reitungszimmers, ging sodann hinein und befragte den Candida-ten um seinen Borsatz. Beharrte er bei demselben, so führte erihn in da« Jnitiationszkmmer, wo der Jnitiand sechs Fragen be-antworten mußte. Im Namen des Candidaten beantwortete derRecipkent diese Fragen und fie wurden dann zu Protokoll genom-men. Hierauf mußte der Candidat niederknien und schwören:a) er wolle seine Macht nie zum Nachtheile des allgemeinen Besten,sondern gegen die Feinde des menschlichen Geschlechts anwenden;i>) den Obern treu und gehorsam seyn; c) das Beste des Ordensals sein eigenes ansehen; ä) sich widrigenfalls allen Ahndungenund Strafen Unterwerken; e) den Angelegenheiten des Orden«seinen Privatvortheil aufopfern; t) Freunde und Feind? des Or-dens als seine eignen ansehen, sich aber an letzter» nicht rächen.Dies alles unter der Betheuerung: so wahr mir Gott helfe; dannunterschrieb er das Protokoll und warb in der Erkenntnißa'rt un-terrichtet. Die Kennzeichen, die er erhielt, waren folgende. Manhielt die Hand über die Augen, als würde man von dem Licht«geblendet. Man nahm die Hand des Bruders und drückte dreimalleise mit dem kleinen Finger darauf; das war der Griff; das er-stere das Zeiche». Das Wort war der Name eo»vs Orces oder ei-nes Mannes; diese Parole wurde jährlich zweimal verändert. —Einige Zeit nach der Aufnahme wurde der Minei-vslis in die Jn-troductionslogen geführt. Die Einrichtung war wie die in derAufnahmeloge, mit dem Unterschiede, daß hier eine gemahlte Pyra-mide in der Mitte des Zimmers lag, und das .Bild der Pallashinter dem Sitze des Obern angeb-acht war. Nach wiederholten;Schwur hing ihm der Quästor das Ordensband nebst dem Zeiche«um. Letzteres bestand in einem Medaillon von vergoldetem Me-talle, worauf eine Eule zu sehen war, die ein Buch in den Klauenhielt. Auf dem Buche standen die Buchstaben: ?. M. 6. V.ine eo?ei viäenr (durch mich fhen die Blinden); dies war daSMotto dieses Grades. Einige Freimaurerlogen haben den NamenMinerva bald als Haupt-, bald als Beiname angenommen, wahr-scheinlich aus gleichen Gründen!!! Im dritten Grade flUn-