Wielanv
dte derselbe machte, waren in der That ungewöhnlich zu nennen,denn im 7ten Jahr« las er des Eornelius Nepos Biographien schonMit Leichtigkeit und Vergnügen und im izten drang er in denGeist eine» Birgil und Horaz jum Theil tiefer ein, als seine Leh.rer, welche er an der gelehrten Schule seiner Vaterstadt fand, direr in diesem Älter besuchte. Hier gewann er auch die ersten Kennt-nisse der griechischen und hebrLischen Spräche. Schon von seinemisten Jahre an zeigte sich in ihm die Neigung zur Poesie. Erlas nicht nur mit Vergnügen alle« Dichterische von Werth, son-dern suhlte sich auch dadurch angeregt selbst zu dichten. Er ver-fertigte daher n'cht nur eine Menge lateinischer und deutscher Ver-se, sondern faßte sogar den Entschluß, eine Epvpöie zu schreiben,wozu er die Zerstörung Jerusalems wählte. Er begannsie, allein es ist keine Spur zurückgeblieben, wie weit er damita-kommen. Die ersten Lebensjahre, wo sich gemeiniglich das us-bildet, was man den Ton des Lebens nennen könnte, verflossenWielanden sehr heiter. Auch seine äußern Umgebungen waren so,daß sie sein Gemüth zu sanfter, liebender Empfindung stimmen,und etwa« Jdvllisches in dasselbe bringen muhten. Zugleich ergaber sich einer süße» Schwärmtet, welche ihn, von der Außenweltabziehend, mehr in seinem Innern und der Welt seiner Phantasieleben ließ, und welche als Srundcharakter in seinen ersten Dich-tungen nicht zu verkennen ist. Im locken Jahre kam er auf dieSchule zu Klosterbergen bei Magdeburg, welche damals eines aus-gezeichneten Rufes genoß. Hier drang sein Geist tiefer in den derAlten ein, und bildete die Grundlage jenes Charakters, der spä-ter in seinen Schriften herrschend wurde, eine Liebe zur Harmonieund Schönheit, zur Mäßigung, Selbstbeherrschung und vollendeterAusbildung des Einzelnen wie des Ganzen innerhalb der Grämender Natur und Wahrheit, so wie jener Sokratischen Lebensweis-heit, die, wie er sie in seinem Leben übte, auch alle seine Geistes-producte durchdrang und ihnen den Eingang ins Leben und insGemüth derer, die für das Leben leben, sehr erleichterte. So wie«t denn, um da- hier zu berühren, was sich in der Folge seinerLaufbahn immerfort bewährte, wohl wenig bedeutende Volkslehrerdurch Schriften gegeben haben mag, in denen der Mensch undSchriftsteller so ganz eine Person gewesen wäre, als dies bei un-serm Wieland wirklich immer der Fall war. Die Musen und Gra-zien blieben seine Begleiterinnen, er mochte dickten oder philoso-phiern, scherzen oder mit Ernst sprechen, loben oder tadeln, klagen»der sich freuen. Unter den Griechen wurde besonders Lenophon seinLiebling, dessen Denkwürdigkeiten des Sokrates sein philosophischesHandbuch ausmachten. Die Cyropädie zog ihn besonders an. Ammeisten beschäftigte seine Phantasie die schöne Episode: Araspe-lnd Panthca, welche er späterhin auch auf seine eigne Artdarzustellen nicht unterlassen konnte. Nicht minder fühlte er sichdurch Cicero's Werk«, vornehmlich die kleinen philosophischen an-gezogen, und machte den Vortrag dieses geistvollen Römers zumMuster seiner Darstellung in gleichen Arbeiten. Der EngländerSteele und Addissons Schriften (der Spsctaror und ssa«!sr)«achten, wenn auch jetzt nur noch in einer nicht vorzüglichen Uber-fttzung, einen tiefen Eindruck auf ihn, besonders abe? fand erspäter in Shaftesbury einen Mann, dessen Geistes- und Sin-nesart mit der seinigen auf das vollkommenste übereinstimmte, und