584 Wieland .
Schönheiten des (Bodmerschen) epischen Gedichts: der Noah — diefreilich nur eine Lobrede war, obgleich keinesweges eine Schmei-chelei, die sich mit seinem edlen Char kter in keiner Hinsicht ver- !trug. Bolmer hatte die Eigenheit, recht Vielerlei auf einmal zuunternehmen und mit Flüchtigkeit zu arbeiten. Er ließ sich da-bei größtentheils durch die Eindrücke leiten, die er von seinerneu.stenLecrüre jedesmal empfangen halte, wars Wunder, daß auchWieland, der eine ähnliche Anlage hatte, ihn hierin nachahmte, !und gleich anfangs im Bodmerschen, Hause eine ansehnliche M.nqeSchriften »erfaßte. Unter seinen damaligen Poesien verdien n seineacht in Hexametern geschriebenen Briefe von Verstorbenenan hinterlassene Freunde (175g) eine Auszeichnung. Einenglische- Werk: kUeuäsiiip in Nvatki Hz- LIisaberir Linker-Morv, (il.onüon 1726), welches ihm ungemein gefiel, gab hierzuVeranlassung. Diese Arbeit vollendete er um so leichter und lieber,je mehr sie sich mit dem Studium seine- Lieblings Plato ver-trug, welches ihn immerfort anzog und auf das lebhafteste be-schäftigte. Obschon in diesen wie in andern Dichtungen Wieland«aus jener Zeit ein religiöser Geist spricht, so suchte Bsdmer seineMuße doch noch mehr für religiöse Gegenstände zu gewinnen. Die-ser Anregung verdankt der geprüfte Abraham, eplsches Ge-dicht in drei Gesängen, seine Entstehung, dem man auch BodmersSckule sonst noch lehr ansieht. Als eigentlich christliche Gedichteaus jener Periode sind jedoch drei Hymnen und seine Psal-men zu betrachten; eine Frucht seines Studiums des Plato undEhaftesbury sin« hingegen seine Platonischen Betrachtun-gen über den Menschen und seine Timoklea; in derMktte von beiden stehen jedoch die S ym p at hicn, das Gesicht ^des Mlrza, und sein Gesicht von einer Welt unschul- ^ger Menschen, welche sämmtlich in den Jahren 1754 und Zgerschienen sind. Von den drei Hymnen hat der Dichter nur einen,den an Gott in seine Werke aufgenommen. Übrigens war derjun-e Dichter wirklich in Gefahr, sich mit seinem ausgezeichnetenTalente zu verirren, wenn ihn nickt die Lectüre der Griechen, be- isondert des Lenophon und die in den Schrillen desselben athmendeLebensweisheit davor gesickert hätte. Im I. 1750 brach der sie-benjährige Krieg aus. Wieland lebte zwar von dem Schauplatzedesselben entfernt, nahm jedoch an den Begebenheiten, an denener s» reich war, so wie an dem Haupthelden, Friedrich dem Großen,den lebhaftesten Antheil. Dadurch wurde er auf die Idee geleitet»das Ideal eines Helden in einem größer» Gedichte auszuführen,wozu er den Cyrus wählte. Die ersten fünf Gesänge dieses Ge-dichts erschienen »och im I. 1757 und wurden hier und da so gutaufgenommen, daß bereits 1759 eine neue Ausgabe davon gemacht«erben konnte; allein der Beifall scheint dem Dichter doch nichtermunternd genua gewesen zu seyn, denn er hat es nie vollendet,ob es gleich nicht zu fernen schlechtesten Products» zu rechnen ist.Der Eyrus steht auch in der neuesten Ausgabe seiner Werke.Nachdem der junge Dichter sich auch in der dramatischen Formversucht hatte — er schrieb nämlich oder übersetzte vielmehr ausdem Englischen ein Trauerspiel: Lady Johanna Gray, undlieferte später die Kiemen tine von Porretta (Zürich 1760),kehrte er, seinem eigenthümlichen Genius f»lgend, in die Welt derGriechen zurück und schrie», nach der schönen Episode der Lenk»