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586 Wieland

den hinzu. Es ist nicht zu bestimmen, was aus Wkeland gewor«den seyn wstrde, wenn er sich fortwährend von der Außenwelt ab«gezogen nur mit einsamen Studien beschäftigt hätte, so viel aberist wohl gewiß, daß ein Geist wie der seinige einer erheiternd ihnansprechenden Außenwelt bedurfte, um seine Thätigkeit mit Glückund zum Besten der Menschheit zu entwickeln. Diese umgab ihn,als da» Geschick seine erste Geliebt« in Gesellschaft ihre» Gattenund des Grafen von Stadion, bei dem sich dieser befand, in seineNähe führte. Letzterer, der churmaynzischer StaatsminMer gewe-sen war, beschloß, den Abend seines Lebens zu Warthausen, ei-nem seiner Güter, unweit Biberach gelegen, zuzubringen, und daer mit dem feinen Ton des Weltmanns gründliche Kenntniß undGeistesbildung vereinigte, auch ohne frivol zu seyn, ein Freunddes heitersten Lebensgenusses war, und ein Feind aller Schwärme-rei und Überspannung, Scherz, Witz und frohe Laune liebte, sofand Wieland in dem Hause desselben, wo ihn der Gemahl seinerJugendfreundin einführte, bald die ihm angemessenste Zerstreuungund Antrieb, sich immer weiter und freier auszubilden. Erfühltesich allmählig der Wirklichkeit wieder befreundet, denn er erkanntegewissermaßen seine Ideale, gemäßigt, wieder. In der trefflichenBibliothek des Grafen, deren Benutzung ihm frei stand, und welchedie besten und neuesten Werke der französischen und englischen Lite-ratur enthielt, fand Wieland gleichfalls Gelegenheit genug^ sich all-mählig von den. überspannten Ideen religiöser Schwärmerei ab-imd den heiterern Ansichten des Lebens zuzuwenden. Es wurde jjetzt herrschende Sitte, der Andächtelei, Frömmelei und dem !Aberglauben den Krieg zu erklären, und da dieses auf Wieland indiesem Hause nicht ohne Wirkung bleiben konnte, so bildete ersehr bald jene der Natur folgende Lebensphilosophie aus, die erschon früher in den Griechen nicht ohne Antheil bemerkt hatte, unddie im ersten Bande des goldenen Spiegels mit so bezauberndenFarben geschildert ist. Wir sind jetzt in dem Leben unsers Dichters ,bis zu einem Punkte gekommen, wo seine Muße einen Charakterzu zeigen beginnt, der ihm nicht nur von einsichtsvollen Künstlich- !teru, sondern auch von gebildeten Lesern, besonders des weiblichen !Geschlechts, strengen und zum Theil bittern Tadel zugezogen hat, !wir meinen den einer gewissen frivolen Lüsternheit, eines Streben«,sianlichreizende, ja üppige und wollüstige Schilderungen seinen Dichtun-gen einzuweben, und thuen dadurch einen materiellen unedlen Reiz 'zu verleihen, der wohl eigentlich in kein echtes Dichterwerk ab- ,sichtlich eingemischt werden sollte. Es scheint, als ob sich das mit ^dem früher geschilderten Charakter unsers Dichters, am wenig- isten aber mit der Bemerkung vereinige» lasse, daß er als Dichter, >Schriftsteller und Mensch immer nur eine Person ausgemacht habe, !denn, wenn der Mensch das überall tragen sollte, was man an dem >Dichter gerügt hat, so möchte leicht seine Sittlichkeit verdächtigund die ihm gebührende Achtung beträchtlich vermindert werden,allein ein genauer Blick auf Wieland- Prvductionen von der jetzt- !gen Zeit, wo er so viel in Warthausen lebte, und der wirkliche» ^Welt auf so reizende Art näher gerückt ward, zeigt wohl, daß je-ner Charakterzug seiner Muße ihr von dem Verstände gewissermaßenaufgedrungen ward, und der Reflexion und Phantasie allein seineEntstehung zu verdanken habe. Die ediern sittlichen Grundsätzedes Dichters sprechen sich in seinen Schriften sonst so deutlich und