Wieland
Syr
Astekkunst räche» sollte. Lenz gab sie zu Mraßburg heraus, sokam sie in Wielands Hände; allein dieser, den aufstrebenden Ge-nius des großen Dichter« nicht verkennend, erwiederte jenen An-griff mit leichtem Scherz und ahnet« die Verwandtschaft, die sichdoch, trotz alles scheinbaren Gegensatze«, zwischen ihnen fand undzuletzt deutlich offenbarte; denn in dem Verständniß der Altenfanden sich Beide als Freunde wieder. Diese Streitigkeit hatteindeß die Folg«, daß zwei der vorzüglichsten Geister, woraufDeutschland stolz zu seyn Ursache Hat, Böthe und Herder, inWielands Nähe versetzt und zuletzt innig befreundet wurden.Gsthe's Farce machte, da der Ruf des Dichters sich schon mäch-tig zu verbreiten begann, große« Aufsehen. Auch Wielands Zög-lingen, den Prinzen von Weimar, blieb sie nicht fremd, undda diese auf einer Reise nach Frankreich gerade jetzt durch Frank-furt am Main kamen, suchten sie Göthe'S Bekanntschaft, welchediesen endlich an den Hof zu Weimar brachte, wohin später auchHerder sich begab. Jetzt richteten sich die Augen von ganzDeutschland auf den Musensitz an der Jlm, welcher ein zweite«Ferrara zu werden versprach. Er wurde dies wirklich und nochmehr. Die Herzogin Mutter, Amalia, wurde die Seele eines ge-selligen Kreise«, wie ihn die Welt kaum gesehen hatte. Alle«, waSdie Kunst, die Wissenschaften und da« Leben an herrlichen Blüthe»und Früchten erzeugte, fand hier sogleich die ehrendste Aufnahmeund Würdigung, Scherz und Ernst trugen im schöne» Wechsel im-merfort das ihrige zur Erheiterung des Lebens bei. Da ward keindrückende« Rangverhältniß lähmend für den Genius, cher sich seinemkühnen Fluge frei überlassen durft«, indeß die edle Amalia, a!Sgeweihte Priester;» sittlicher Schönheit, Alles mit dem Scepter de«edelsten AnstandeS regierte. In einem solchen Kreise kamen Gei-ster wie Herder, GLthe und Wieland gar leicht bis zur Vertrau-lichkeit sich näher, und schmückten sich und die Fürsten, die sie ehrteund liebt«, mit unorrwelklichen Kränzen. Wielands Talent al«Schriftsteller für dir Welt entwickelte sich hier immer mehr und i»einer Reihe von mehr al« so Jahren ereignete sich fast nichts vonWichtigkeit in der politischen wie in der literarischen Welt, woran,r nicht mehr oder weniger lebhaften Antheil genommen. AlsPhilosoph bewies er sich stets als einen wahren Sokratiker. Ausdem Kreise, der Psychologie, Moral, Rechtslehre und Religionging er nicht hinaus, beschäftigte sich aber stets am liebsten mitdem, was ihm in diesen Wissenschaften problematisch schien. Seinephilosophischen Abhandlungen zeichnen sich sämmtlich durch Liefede« Blicks und Feinheit der Behandlung au«. Auch die Ge-schichte des Danischmend, die jetzt erschien, gehört mehr demPhilosophen alt Dichter an. Als Historiker fand er in seiner leb»haften Einbildungskraft, seiner Sprachkenntnkß, seiner scharfenBeurtheilung und umfassenden Übersicht der Begebenheiten nach ur-sächlichen Verhältnissen große Hülfsmittel, die er trefflich benutzteund in vielen Darstellungen beurkundete. Allein bei allen diese»Beschäftigungen blieb ihm doch auch die Muse Held, denn sie qahihm die Geschichte der Abderiten (r77Ä, Erzählungenund Mährchen, theils nach fremden Originalen gebildet, theilsselbst erfunden, dann den Oberen, ein Werk, welche»allein den Ruhm eines großen Dichters zu, begründen wohl imStande wäre. Außer diesen Werken, worb» her Dichter seine