6o6 Wilhelm I. (K. d. Niederlande)
güb er seinen Freunden hin; nur fein Vertrauen schenkte er wenige»,Sem beobachtender Verstand durchdrang die Menschen und die Er-eignisse; er selbst war undurchdringlich. Kalt, verschlossen, demScyeiue nach selbst furchtsam, riß, wenn er sprach, das Feuer unddie Kühnheit seiner Rede alle Gemüther hin und beherrschte siemit unwiderstehlicher Gewalt. Der Gefahr setzte er ruhigenGleichmutb, den Hindernissen kluge Beharrlichkeit entgegen. Eswar ihm nicht um seine Erhebung zu thun, sondern um dir Sachedes Volks, darum ging die Freiheit, welche er gegründet, nicht .mit ihm unter, und der Name des großen Oranien lebt fort inder Geschickte der europäischen Menschheit, — Es gibt von ihm, drei Lebensbeschreibungen in holländischer Sprache von ungenanntenVerfassern. Auch vergleiche man IVlemsii 6 aiilie 1 m»z«us etc. Ln-sreloä. i6zg kol. Roch hat Wilhelm »an Oranienkeinen würdigen Biographen gefunden.
Wilhelm I. (Wilhelm Friedrich von Oranien), Königder Niederlande und . Gro ß h erz o g von Luxemburg,geboren im Haag den sqsten August 1772. Sein Vater, Wil-helm V-, Fürst von Oranien und Nassau, Erbsta t thalterder vereinigten Niederlande (st. y. Apr. 1806), stammte ab vonJohann, dem jüngsten Bruder des großen Wilhelm vonOranien (s. d. A.). Seine Mutter, Frieoerike Sophie Wil-helminc, des Prinzen August Wilhelm von Preußen Tochter,lebt noch. Er dankt ihr seine Bildung. Sein Großvater, dererste Er b statthalter der vereinigten Niederlande (1747), hatte dievier LandeSthcile des naffau - ottonischen Stammes, Hadamar,Siegen, Dillenburg und Dreh, wieder zusammen an seine, dieD i etz'sche, Linie gebracht. Der holländische Schriftsteller Tolliuiwar des Prinzen Lehrer, und der General von Stamford, ei«guter Taktiker und Staatsmann, war sein Führer. Im Jahre1788 machte der Erbprinz eine Reise nach Deutschland, und bliebeine Zeit lang zu Berlin, an dem Hofe seines Oheims, des Kb-nigs Friedrich Wilhelm II. Hierauf studirte er seit 17Y0 zu Ley-den. Nach seiner Vermählung (1. Ort. 1791) mit FriedertkeLuise Wilhelm ine, des Königs Friedrich Wilhelm von Preu- ,ßen Tochter, machte er sich, nebst seinem späterhin als Feldherrnausgezeichneten Bruder Friedrich, um die Verbesserung der hol-ländischen Landmacht verdient; allein der innere Zwiespalt, indem .die 1787 durch preußische Wessen unterdrückten Patrioten demHause Oranien insgeheim entgegenwirkten, verhinderte vieles«Jene hatten sich zum Theil nach Frankreich geflüchtet, und derRatisnalcvnvent erklärte, um sich mit Hülfe der Patrioten desreichen Hollands zu bemächtigen, dew tsten Februar 179Z an denErbstatthairer den Krieg. Dumouriez eroberte das holländischeBrabant; doch befreite es der Erbprinz — der den Oberbefehlüber die holländischen Truppen führte, zu welchem ein Heer derBundesgenossen gestoßen war — in Folge des Sieges bei Neer-winden, den der kaisecl. Feldmarschall, Prinz von Coburg, überDumouriez den iZten März erfochten hatte. Hierauf hielt derErbprinz die französische Nordarmee von dem Eindringen in West-flandern ab. Allein am izten Septbr. ward er m seiner Stel-lung zwischen Menin und Werwick von dem Feinde mite solcherÜbermacht angegriffen, daß er, da der österr. General Kray zuspät eintraf, und daS Heer unter Beauiieu (well es noch nicht