6io Wilhelm der Eroberer
Wilhelm-, verbunden mit Sewundcrnswerther Tapferkeit, leitetenihn durch alle diese Verhältnisse ohne Nachtheil hindurch, bis er,nach Jahren zum Manne herangewachsen, das Schrecken aller klei-nen Fürsten Frankreichs war. Inzwischen starb Eduard, Kö-nig von England, ein naher Verwandter Wilhelms, und durchihn auf dem Throne erhalten, von dem ihn die Dänen oft hattenvertreiben wollen. Aus Dankbarkeit hatte er Wilhelm die Thron-folge in England zugesichert, da er ohne Kinder war, allein nachfernem Tode setzte sich die Krone ein Engländer, Namens Harold,auf, der sie für Wilhelm nur in Besitz zu nehmen eidlich verspro-chen hatte. Wilhelm machte' sogleich Anstalten, diese Untreue zurächen, und rüstete nicht allein eine Flotte und ein Heer von 50,00aMann aus, sondern verband sich auch mit dem Beherrscher vonNorwegen, und erbot sich gegen den Papst, das Reich von ihmin Lehn zu nehmen, Harold schlug zwar die Norweger aufs Haupt,aber Wilhelm setzte mit 1000 Schiffen über den Canal und rückte so-gleich bis nach Hastings, einem unbedeutenden Städtchen, vor,wo er in einem verschanzten Lager mit Harold nochmals Unterband,fangen anknüpfte, die sich aber in nichts auflös'ten. Dir Waffenmuhten allein entscheiden, und es kam zu der furchtbaren Schlachtbei Hastings am i-pten Ortbr. 1066, die sich nach dem blutigstenKampfe mit einer fürchterlichen Niederlage der Engländer und demTode Harolds endigte, den ein Pfeil ins Auge traf. Zwei seinerKZrüdcr sanken an seiner Seite. Die Engländer demüthigten sichüberall vor ihm. Zum Weihnachtsfeste ward er bereits in Lon-don gekrönt. Die strengsten Maßregeln auf der einen Seite undGerechtigkeit sicherte» ihm den Thron, und es finden sich wenigeSpuren, daß man Miene gemacht hätte, seine Herrschaft zu un-tergraben. Da die Rormandie «in Lehn von Frankreich war, und«sin Vasall keine Eroberungen sich zueignen konnte, als in so fern siemit seinem Lehen eins wurden; so entspann sich daraus ein unan-genehmes Verhältniß zwischen England und Frankreich, in Folgedessen das Letztere immer fort behauptete, England sey ihm lehuS-pflichtig, und darüber bereits mit Wilhelm in einen Krieg gerieth,der nachherJahrhunderte lang fast unter jedem Regenten wiederholtwurde. Die große Rationalfeindschaft zwischen Engländern undFranzosen schreibt sich nur aus jenen Lagen her, wo Wilhelm alsEroberer Englands Boden betrat. Wilhelms Einfluß auf Eng-land ist zum Theil noch jetzt nicht ganz verloschen. Der Towerist von ihm angelegt worden, um London stets in Zaum zu hal-ten; die Überreste der französischen Sprache in der Anrede an denKönig und in öffentlichen Vortrügen schreiben sich von ihm her,der die französische Sprache zur Hofsprache machte. Wilhelmstarb übrigens während eines Krieges gegen Frankreich, 71 Jahralt, im I. 1087, und hatte er viel Abenteuer im Leben bestan-den, so waren die nach dem Tode nicht geringer. Denn alle Gro-ßen und Vasallen eilten vom Leichnam fort, alle Diener raubtenim Palaste, was sie tonnten, der Leichnam lag niedrere Stunde»verlassen nackend da, und als sich endlich der Erzbischof vonRouen desselben annahm, und ihn nach Caen transportiren ließ,so trieb e-ne plötzlich in der Stadt entstehende Feuersdrunst allesaus einander, und kaum brachten ihn einige Mönche zur Gruft.Hier prot-stirte ein Unglücklicher, auf dessen Grund und Boden ^Wilhelm die Kirche hatte bauen lassen, wo er sollte »egraben wer». ^