Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
628
JPEG-Download
 

6rz Winckelmann

gab. Den größten Theil der I. 1766 widmete Winckelmann derAusarbeitung des Oiocorso xreUmiiiare, seiner lilonllLisnti !N-»äiri, einer neuen Durchsicht und dem Druck derselben. Die Kostendazu bestritt er selbst seit 1764, wo Casanova, der sie bis dahinvorgeschossen hatte, nach Dresden reifte. Um die Mängel der er-sten Ausgabe seiner Geschichte der Kunst einstweilen zu ersetzen,ließ er 1797 Anmerkungen dazu erschienen, arbeitete aber ia-zwischen mit großem Eifer an einer zweiten Ausgabe dieses Werkes.Zugleich erwachten in ihm alte Reisexlane nach Griechenland, dieer jedoch, wo nicht aufgab, doch verschob, um Berlin zu besuchen,wo seine Geschichte der Kunst in einer französischen Übersetzung er-scheinen sollte, und w« er für jene Reissplane Unterstützung zu fin-den hoffte. Er machte noch eine vierte Reise nach Neapel, wofein Sendschreiben ihm heftige Gegner zugezogen hatte, söhnte sichmit ihnen aus, bestieg den Vesuv während eines eben Statt ha-benden Ausbruchs, traf die nöthigen Verfügungen für die Kupferzum dritten Theil seiner HlloiniivLiiti, wofür er bereits vieles ge-sammelt hatte, und trat endlich im April 1768 in Gesellschaft desBildhauers Eavaceppi seine Reise nach Deutschland an. Schonder Anblick der tyroler Gebirge versenkte Winckelznann in einetiefe Schwermuth, die in Augsburg und München immer mehr zu-nahm. In Regensburg endlich äußerte er den festen Entschluß,allein nach Italien zurückkehren zu wollen. Alles, was sein Rei-segefährte von ihm erlangen konnte, war, daß er bis nach Wir»mitging, um sodann seine Rückreise anzutreten. Hier kam er deni2te» Mai an und fand bei sein Fürsten Kaunitz und andernGroßen die ehrenvollste Aufnahme. Aber von dem gefaßten Ent-schluß der Rückkehr konnte ihn nichts abhalte». Seine Gemüths-bewegung wurde durch Zuredungen nur vermehrt und zog ihm einheftiges Fieber zu, das ihn einige Tage im Bette hielt. Rächseiner Herstellung besah er die Merkwürdigkeiten Wiens,ward i» Schönbrunn der Kaiserin Maria Theresia vorgestellt, diethu mit besondrer Auszeichnung empfing und reist beschenkte, undreis'te zu Anfang des Junius nach Triest ab. Unterwegs geselltesich «in Italiener, Namens Francesco Arcangeli, zu ihm. Dieser,«in abgefeimter Bösewicht, der erst vor kurzem in Wien zum Tod«verriethet!;, aber begnadigt und des Landes verwiesen worden, be-mächtigte sich durch erheuchelte Kunstliebe bald des Vertrauens desarglose» Winckelmann, der ihm seine goldnen Medaillen und an-dere Kostbarkeiten unbedenklich zeigte. In Triest übernahm Ar-cangeli die Besorgung der Reiseangelegenhciten, während Wiackel-mann im Gasthofe blieb. Am 8- Jun. zwischen i und 2 Uhr saßer schreibend am Tische, als der Italiener in sein Zimmer trat, umihm seine plötzliche Abreise anzuzeigen und Abschied zu nehme«.Er bat, ihm zuvor noch einmal die goldnen Medaillen zu zeigen;aber während Winckelmann, vor dem Coffr« knieend, sie hervorlao-gen wollte, warf jener ihm eine Schlinge um den Hals und ver-setzte dem Unglücklichen, der sich vergebens wehrte, fünf tidtlicheStiche in den Unterleib, worauf er, ohne etwas mitzunehmen, ent-sprang, Winckelmann verschied wenige Stunden darauf, nachdemer sein Testament gemacht und den Cardinal Albani zum Univer-salerben eingesetzt hatte. Seine Handschrist zur zweiten Ausgabeder Geschichte der Kunst, die er bei sich führte, kam in den Besitzder kaiserl. Akademie der bildenden Künste in Wien, welche 177*