Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
644
JPEG-Download
 

644 Wittwcncassen

Dlspolition des Erblassers festgesetzt, daß die Wittwe einen Theilihre« Witthums verlieren soll, wenn sie ihren Wittwenstuhlverrückt, d. h. sich anderweit verheirathet. — Da« nun veralteteWort Wittbum für ein einer Kirche oder frommen Stiftungvermachte« Grundstück wird von den Sprachforschern von Wid.wen hergeleitet.

Wittw encassen sind Anstalten zur Unterstützung hinterlas-sener Wittwen. Es gibt zwei Hauptgaktunge» dieser An stalten,welche wesentlich von einander verschieden sind: r. solche, dieeinen durch Vermächtnisse oder Schenkungen oder Besol>>ungsabiü-gen gebildeten Capitalfonds besitzen, dessen Zinsen jährlich unterdie Wittwen vertheilt werden, in Verhältniß zu dem von ihrenEhegatten geleisteten Beiträgen. Hier wird, um ganz sicher zugeben, keine bestimmte Summe zugesichert, sondern die Größe-er Unterstützung richtet sich lediglich nach der Zahl der Interessen-ten und der Wittwen; von dieser Art ist die Universitärswittwen-caffe in Gottinzen. 2. Solche, die auf Leiörentenfuß (s. d. litt.Leibrente) eingerichtet sind; ihre Natur ist folgende: eineansehnliche Zahl von Ehemänner», deren Frauen noch sämmtlicham Leben sind, macht sich anheischig, entweder auf einmal odernach und nach eine gewisse Geldsumme durch ihre Beiträge zusam-menzubringen, um ihren dereinstigen Wittwen eine dem Beitragegemäße, stets gleiche, Pension bis zum Tode der Wittwe oderbis zur Mündigkeit der Kinder zu versichern. Man kann in dieseAnstalten auf zweierlei Weife eintreten: a) auf Kapitatsuß,d. h. durch Herschießung einer Summe auf einem Brette; b) aufContributionsfuß, d. h. dergestalt,. daß man jedes Jahr zubestimmten Zeiten eine gewisse Summe als Beitrag hergibt. —Die Grüße der der Wittwe zugesicherten Leibrente wird berecknet:«) nach dem Lebensalter des Mannes und der Frau zur Zeit desEintritt«, ^) nach dem wahrscheinlichen Tode Beider, 7) noch derGröße des Einsatzes, welcher letztere jedoch verfallen ist, wenn dieFrau vor dem Manne stirbt. — Bei den Anstalten, welche ausKa-pitalfuß eingerichtet sind, ist die Berechnung leichter zu übersehen unddt'eEaffe mehr gesichert als bei denen auf Contributionsfuß. Hinsicht-lich der Art und Weise der Berechnung haben Tetens und Krit-ter, die Hauptschriftsteller in diesem Fache, folgenden Grundsatzaufgestellt. Bei dem wahrscheinlichen Tode des Mannes muß, derBeitrag mag auf Kapital- ober Contributionsfuß geschehen sey«,die volle Summe vorhanden seyn, welche, mit Zinsen und M'senzins berechnet, erfoderlich ist, um der Wittwe bis zu ihremwahrscheinlichen Tode die bestimmte versprochene Pension zu ver-schaffen. — Die Solidität einer Wittwencaffenanstalt beruht haupt-sächlich auf der dabei zum Grund gelegten Berechnung der Wahr-scheinlichkeit der Sterblichkeit. Diese Wahrscheinlichkeit ist vo»mehrern Schriftstellern, insbesondere von Süßmilch (die göttlich«Ordnung de« menschlichen Geschlechts rc.) in Tabellen dargestelltworden; wie richtig indessen auch diese Tabellen hinsichtlich derSterblichkeit überhaupt seyn mögen, so hatte man doch Unrecht,sie unbedingt bei den Wittwencaffen zum Grund zu legen, denn1. bei dirsen Anstalten sind die Wittwen gewöhnlich eine ausge-suchte Anzahl gesunder Weiber, auf welche die Sterblichkeit derWeiber im Allgemeinen nicht anwendbar ist; 2. haben die Frauendi» Zeit ihrer möglichen Schwangerschaft überstanden, so tritt bei