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Wolf (F. A.) 649

iüch schnell durch Deutschland verbreitete, und man anfing,diese Metdoce auch auf andre Wissenschaften, nicht selten mitÜbertrewung und Pedanterie, überzutragen. Wolf wurde.jedochvon seinen Eollcgcn zu Halle, besonders von den Theologen, diezum Theil den damals überhand nehmenden Pietismus begünstig,ten, und deren Grundsätzen seine philosophische Denkart zuwiderwar, heftig angegriffen, für einen Religionsverächter uns Irr-lehre« erklärt, und bei der Regierung förmlich angeklagt. Durcheine EabinetSordre des Königs Friedrich Wilhelm I. von igten.November 172Z wurde Wolf seiner Stelle entsetzt, und unter An-drohung harter Strafe (des Stranges) ihm ansesohlrn, Halle in24 Stunde» und in zwei Tagen die preußischen Staaten zu ver-lassen. Wolf entfernte sich sogleich, fand in Caffel eine günstigeAufnahme und bei der Universität zu-Marburg eine ehrenvoll«Anstellung Der Streit über Wolfs philosophisches System wurdenun allgemeiner, und fast ganz Deutschland nahm Partei füroder wider ihn. Indessen erhielt Wolf aus dem Auslande vieleEhrenbezeigungen und vortheilhafte Anträge, welche letztere eraber, so wie den Vorschlag, nach Halle zurückzukehren, ablehnte,pbgleich der Prozeß wider seine Philosophie durch eine in Berlineigens dazu niedergesetzte Commission zu feiner völligen Genug-thuung entschieden worden war. Erst 1740, als Friedrich II., derihn sehr schätzte, den Thron bestiegen hatte, ging er asL Gebei-meraih , Bwekanzler der Universität, und Professor desNatur - und Völkerrechts nach Halle zurück. Drei Jahre nachherwurde er an Ludwigs Stelle Kanzler der Universität, und 174^erhob ihn der Churfürst von Bayern wahrend des Reichsvicariat»in den Freiherrnstand. Wolf lab seine Philosophie durch ganzDeutschland und einen großen Theil von Europa verbreitet, aberer überlebte seinen Ruhm als akademischer Lehrer; die Zahl seinerZuhörer verminderte sich in den letzten Zeiten bedeutend. Er starbam yten April 1754 im 76sten Jahre seines Alters. Wolf hatunläugbar großes Verdienst um die Philosophie. Er hat sie nichtmit großen und glänzenden Erfindungen, wohl aber mit mehrernneuen Wahrheiten vom zweiten Range bereichert. Mit seinemScharfsinn und seiner unermüdeten Thätigkeit umfaßte er alleTheile der Pbilosophie, nur hat er einige derselben, z. B. dasNatur und Völkerrecht und die Sittenlehre, mit fast zu großerWeittäuftigkeit bearbeitet. Er führte die strenge mathematisch«M tbode in die Philosophie ein, uud verbreitete dadurch über sieOrdnuna, Licht und Gründlichkeit. Daß diese so nützliche Methodein der Folge ron schwachen Köpfen gemißbraucht wurde» kann ihmnicht als Schuld angerechnet werden. Er machte sich vorzüglichLeibnitzens Hypothesen und Grundsätze zu eigen, bildete sie aberweiter aus und bestimmte sie näher. Durch die Menge seinerzum Theil deutsch geschriebn-!, Schriften und durch die große Aadlfeiner Zuhörer hatte er einen sehr ausgebreiteten und bei demdamals sich regenden Pietismus und Mysticismus zugleich sehrwobltbätigen Einfluß auf sein Zeitalter. Auch um die deutsch«Sprache hatte er wesentliche Verdienste. Er entwickelte ihrenReichthum für philosophische Begriffe und schrieb rein und ver-ständlich in derselben.

Wolf (Friedrich August). Dieser als tief gelehrter und ge-nialer Kritiker berühmte Philolog ist 1757 geboren, begann seine