66r Woolston
ehrte er stets in Napoleon den Mann, der ihre Verirrung aufge-halten habe, und ward deßhalb in den letzten Jahren leine« Lebenshäufig so angefeindet, wie früher als Jüngling, da er in seine»
W urrherlunge» tn eer jenaer Literaturzettung diesen Sinn selbstdann nicht verbarg, als Napoleon gestürzt und nach Elba verwie-sen war. Ob es ihn, daher mit dem Anerbieten gegen den Mini-ster Btein Ernst war, dürlle wohl allerdings bezweifelt werden.Überhaupt hatte Weltmann häufig erfahren, wie factiös diedeutsche Literatur ist, um fernen eignen Ausdruck zu gebrauchen»er selbst aber trug auch kein Bedenken, sein Gcherflein zu diesemfactiösen Wesen zu spenden. Seine Urtheile über Johan-nes von Müllers Verdienste undGtyl dürften für diese Bemerkungwohl mehr als zu sehr sprechen, und der Ton, der in ihnen herrscht,um so weniger zu billigen seyn, je mehr er Freund von Müllern inBerlin geworden zu sey» versichert, obschon daS Urtheil selbstden Beifall mancher Unbefangenen, vielleicht aller, haben dürste.
Als Übersetzer des Lacitus und des Sallustius, als Verfas-ser der Geschichte der Reformation und des westphä-lischen Friedens wirb er immer geschätzt werben. Im er-ster» Werke entwickelte er vorzüglich den Einfluß der Reformationauf die zeitgemäßen politischen Begebenheiten. Im letzter» sprichtbesonders die individuelle Charakteristik der Hauptpersonen an; unddie strenge Unparteilichkeit gibt beiden noch einen besondernWerth. Die Memoiren des Herrn von Sa sind in vieler Hinsichtseiner unwürdig. *r.
Woolston (Thomas), ein berüchtigter englischer Freidenker,war i66y zu Northampton geboren. Hr studirte zu CambridgePhilosophie und Theologie, lehrte selbst in der Folge beide Wissen-schatten, wurde Bakkalaureus der Theologie und Mitglied beSSid-Üey-Kollegiums zu Cambridge. Bei einer starken Einbildungs-kraft und schwachem Verstände hatte er viel Ehrgeiz. Um sich z«einem hohen Amte in der englischen Kirche, nach welchem er trach-tete, vorzubereiten, studirte er mit übertriebnem Eifer die Kir-chenväter, wodurch sein schwacherKopf auf Irrwege geführt würde.
Er behauptete, die Geschichten des alten und neuen Testamentswären ni'chis weiter, als Allegorien. Man nahm ihm deßwegenseine Stelle im Sibncy-Kollegium. Dieser Verlust und das Fehl-schlagen aller Hoffnung, einen hohen geistlichen Posten zu erhalte»,erweckten in ihm einen bittern Haß gegen die englische Geistlichkeit,der sich in den gröbsten Schmähungen über sie ergoß, und ver-wirrte seinen Verstand so, daß man ihn vier Jahre hindurch ein-sperren mußte. Als er wieder i» Freiheit war, fuhr er fort, seinesonderbaren Meinungen in Schriften zu behaupten. Für die anstö-ßigsten derselben sah man die G spräche über die Wunder unsersHeilands an. (Diocoursss c>i> tlio still acles c>s our Lavioiu . I.0I1-stoii 1727-) In diesem Buche beschuldigt er Jesum der Magie, undlegt ein m jüdischen Rabbiner, Einwürfe gegen die AuferstehungJel» in den Wund, die er ebenfalls allegorisch von einer geistigenAuferstehung verstanden wissen will. Seine Schriften würben be-sonders von den Juden häufig gelesen und verbreitet; verschied»«englische Theologen, unter denen auch Thomas Sherlsck, schriebenWiderlegungen derselben. DieRegicrung fand für nöthig, strengereMaßregeln gegen ihn zu ergreifen. Er wurde 1728 verhüttet, !
jedoch nach einiger Zeit wreder frei gelassen, Da er aber immer s