Syo Wunderbar
zugleich furchtbar; aber hier hängt viel von -er größer» ob«geringern Ausbildung des Geistes ab. Indessen kann doch dasWunderbare auch in anmuthiger und reizender Gestatt erschei-nen, wie z. B. in den Feenniährchen, in Wielands Oberen rc. —In welcher Form es aber erscheine, so darf doch, wie wir in derobigen Bestimmung andeuteten, daS ästhetisch Wunderbare nie ohneBedeutung seyn und auf ein kindisches Gaukelspiel der Phan-tasie hinwirken. Denn die sinnlichen Formen, unter weichen dieKunst, die Darstellerin des Schönen, wirkr, sind nicht schön ohneBelebung durch Ideen, deren Ausdruck sie enthalten sollen. Undso soll also auch das leichteste Mährchen, als Product der Dicht-kunst, «inen poetischen Kinn enthalten. Natürlich ist eS aber wohl,daß da, >vo das Wunderbare in der Kunst sich zeigt, derselbe Gradvon Verständlichkeit nicht Statt finden kann, dessen sie sonst wohl fä-hig ist; denn es liegt in der Natur des Wunderbaren, daß dasselbe,indem es uns etwas gibt, noch weit mehreres verbirgt. So istauch das Wunderbare dem Wahrscheinlichen, nicht aberdem Wahren entgegengesetzt. Denn wahrscheinlich ist, watden Schein des wirklich Geschehenden und mithin zugleich des Ge-wöhnlichen hat; aber die Wahrheit der Kunst erfodert nur innereÜbereinstimmung der Kunstformen unter sich und mit derbelebenden Idee. Um dieser Wahrheit willen mißfällt uns so-gar jene geschmacklose Vermischung der gemeinen Wirklichkeit unddes Wunderbaren in vielen Erzählungen und wir wissen daher da<Romanhafte wohl von dem Roman tischen zu unterscheiden. —Das Wunderbare wird aber durch dieNatur der besondern Künstebesonders modificirt. Anders erscheint es in der Poesie, anders in denbildenden Künsten. Am größten und unbeschränktesten ist sein Wir-kungskreis in jener. Denn in den Gedanken und durch die Sprache läßtsich am meisten das Unbegreifliche und Ungewöhnliche für diePban-tasie in der Schilderung übermenschlicher Thaten und Wettn an-deuten und erwecken. Namentlich stellt es sich dar im epischen Gedicht(s. d. Art.), welches seine erhabnen Gegenstände in die günstig«Ferne der Vergangenheit stellt, und vorzüglich in der eigent-lichen Epopöie, die als Urgedicht und Sage einer Nation auf diedunkle Zeit ihres Ursprungs und ihrer ersten Kämpfe deutet, aberauch in ihren spätern Formen das Wunderbare gern als seine»Bestandtheil aufnimmt. Beschrankter ist die Erscheinung desWunderbaren im Drama. Denn hier tritt es in die helle sinn-liche Gegenwart, und kann sehr leicht in Gaukelei der Sinne aus-arten. Am meisten ist ei einheimisch in der romantischen Oper,und die Musik, welche die Tiefen des Gefühls aufregt, ist hierund in dieser Verbindung mit der Poesie am fähigsten, die Wir-kung des Erhabenen hervorzubringen. Die bildenden Künste, wel-che ihr Werke für das Luge fixiren, und die Formen der Naturnachbilden, sind dazu weniger geeignet; mehr jedoch unter ihnendie Mahlerei, weiche sich der ätherischen Scheingestalt bedient, unddie Bewegung der Mimik in ihren Figuren täuschend nachbildet,als die Plastik und Architektur, welche in dem Bestreben nach demWunderbaren leicht in das falsche Abenteuerliche verfällt. — Unterverschiedenem Charakter stellt sich das Wunderbar«, welches mit demVolksglauben verwandt ist, bei den verschiedenen Völkern und zuverschiedenen Zeilen der Kunst dar. Das My t h is ch e der Grie»chenweit hat einen heitern Sharakter und erscheint als fröhliches,