Wünschelrute Wurm 671
sinnreiches Bilderspiel der Phantasie; das Mystische in der ro-mantischen und modernen Zeit überyaupt hat einen ernsterenCharakter, und ist oft aus dem trüben gestaltlosen Reich derAhnun-,gen von der Unterwelt geschöpft. P.
Wünschelruthe (tat. vii'AiiIa rnercuriali», franz. dauert«äivi»-rc>ire) ist eine unter gewissen abergläubischen Umstünd.n ver-fertigte, zwciästige in einem Stiel verbundene Ruthe, wie eineGabel geformt, von Holz, Messingdraht, oder Metall, welcherhebein von abergläubischen Menschen angewendet und an gewiss»Lrrer au-' die Erde hingelegt wurde, um da, wohin sich dieseRuthe vorzüglich hinneigte, verborgene Schätze unter der Erde zuentdecken. Eigentlich wurde sie im Bergbau gebraucht, um ed-leMer-llc, Mineralien oder unterirdische Wasser und Erzgänge damitausfündig zu machen; der Aberglaube aber, der in den vorigenZeilen vielleicht noch weit mehr Gewalt über die Menschen hatte,gab eben diesen, oder auch Betrügern, sogenannten klugen Leu-ten und dergleichen, häufig Veranlassung,--da, wo sie sich Schätzezu erhalten wünschten, durch Hülfe jenes Aauberstabs sie auchwirklich auszusuchen. Indessen würde diese Anwendung der soge-nannten Wünschelruthe vielleicht nur noch als Denkmal ehemaligenAberglaubens genannt werden, wenn nicht vor einigen Jahrendicse'Sache wieder zur Sprache gekommen wäre, indem besondersein Italiener, Namens Eampetti (ein junger Lgndwann zuGar-nano, am Ufer des Gardasees geboren) durch ernstliche undnachdrückliche Versicherung, Metalle und Wasser unter der Erde,durch körperliche Sensationen wahrnehmen zu können, großesAufsehen machte, und auch wirklich die angestellten Versuche aller-dings sehr für diese Behauptung zeugten. Ritter, ein bekann-ter Naturforscher zu München, reis'le auf Beseht des. Königs vonBayern im Jahr 1806 zu Campetti nach Gargnano, brachteihn mit nach München, um wiederholte Versuche darüber anzu-stellen; unh es wurden diese auch wirklich besonders mit Schwesel-kiespendeln gemacht, von denen man behauptet, daß sie in derNähe von Metallen schwingen. Ritter hat besonders bei die-ser Gelegenheit sich eines Instruments bedient, das er Balan-cier genannt hat, und das ganz einfach in einem Stäbe oder kleinemGtre,fen von Kupfer oder andern: Metalle, ungefähr 6 Zoll langund einen halben breit, besteht. Die nähern Nachrichten darüberfindet man in Aretins neuem liter. An;. v. 1307 v. Rr. 22 an; undden Resultaten von dieser wichtigen Untersuchung, die gegenwär-tig das Nachdenken vieler erfahrne» und berühmten Chemiker be-schäftigt (unter andern hat Gilbert äußerst interessante Beleuch-tungen dieser Versuche igc >8 herausgegeben), sieht man mit großerErwartung entgegen.
Würfel, s. CuduS.
Wurm (Albert Aloysius Ferdinand), ausgezeichnet unter al-len jetzt lebenden Darstellern des Komischen auf der Bühne, wardim April 1783 zu Greifenhagen in Pommern von dürftigen Äl-tern geboren. Früh verlor er seine Ältern; als zartes Kind mußteer schon mit Mangel und Entbehrung kämpfen, und seihst derdürftige Unterricht einer Dorfschule ward ihm nur kurze Zeit zuTheil. Dennoch verließ ihn bie glückliche Laune, welche er zurWelt gebracht, schon damals nie; froh und heiter trat der Knabei»S kummervolle Leben ein. Den Verfolgungen einer harten Stief-