Wurrcilidergilche Larivstänv».- Ü95
gehts dann in Masse nach Ludwigsburg." Die Versammelten zo-gen ihre Brieftaschen, merkten sich Lag, Stunde und Orte, undlo war, ohne daß ein Wort weiter gesprochen wurde, die Sacheabgethan. Man aß und trank weiter. Aber siehe da! Am 2»September strömte es von allen Seiten des Landes mit Schul-zen, Bürgermeistern und ähnlichen Männern nach Korn Wert-he! m; der König, wie er denn z'.m voraus voll Argwohns gegensein Volk war, befürchtete, als er, wohl mit Übertreibung, davonbenachrichtigt wurde, einen Angriff« auf das offne Ludwigsburg! und setzte es in Bclagerungsstand; seine Polizei trieb die schonVersammelten aus einander, und wies zurück, was noch auf demWege war. Hätte er die friedlichen Männer vor sich gelassen, undherablassend, nach ihrer Fassung, ww er es konnte, mit ihnen ge-sprochen, sie hätten vergessen, daß sie um die alte Verfassung ge-kommen seyen und sich hinreißen lassen, ihn zu bitten, daß er doch! ja ihr unumschränkter gnädiger König und Herr bleiben möchte»Im October dieses Jahres kam die Landesversammlung ausS neuein Stuttgart zusammen; sie bestand durchaus noch aus denselbenMitgliedern, weil sie im August nicht aufgehst, sondern nur ver-täut worden war. Mit welchem Selbstvertrauen sie auftrat, be-weisen ihre Umzüge in den Kirchen, beweist die Feier des ig.Oktobers; die Bürgerschaft tn Stuttgart war entschieden auf ihrerSeite. Allein bald nach ihrer Zusammenkunft am n. Nvv. thatder König einen entscheidenden Schritt. Die Rechtmäßigkett derAnsprüche des ehemaligen Herzogthums auf seine alte Verfassungward »von ihm anerkannt, wahrend er beweisen ließ, daß die neu-en Lande kein Recht hätten, sie zu verlangen. Zugleich wurde«vierzehn sehr liberale Grundsätze als Basis einer für das ganzeLand zu entwerfenden neuen Verfassung aufgestellt und erklärt, daßvon der herzogthümlichen, was immer noch für die neuere Zeitpasse, in sie aufgenommen werden solle. Wenn aber trotz alle«dessen das Herzogthum auch jetzt noch auf seiner ehemaligen Ver-,fassung bestehe, so bleibe nichts übrig, als, was freilich höchst ge-fährlich ftyn würde, dieTheilung des Königreichs in zwei Staa-ten; jenes sollte dann seine Verfassung , natürlich gehörig mvdi-sicirt, zurückerhalten, und für die neuen Lande sollte eine beion-, drc auf die Grundlage jener vierzehn Artikel errichtet wer-ben. Was sollten die.Stände thun? Jene Artikel wurden vonganz Deutschland mitFreude und Bewunderung aufgenommen; dasgebildetere Publikum in Würlcmberg selbst entschied sich größten-lhcüs für sie; die Deputlrte» der Städte und Ämter aus dem neu-^ eii Lande hatten keinen Gründ, sich nicht darauf einzulassen. Der! Verlust ihrer Achtung bei ganz Dcutschland, ihrer Popularität tms Vaterlands, eine Spaltung unter ihnen selbst war zu befürchten,wenn sie sich weigerten — sie erklärten, auf jene Basis unterhan-deln zu wollen und eine gemeinschaftliche Commission «LS Staats-dienern und Mitgliedern der Ständevcrsammlung zu Entwerfungder Verfassung ward sofort niedergesetzt. Bereits hatte damalsden bedeutendsten Einfluß in diese Angelegenheiten der Präsidentund Gtaatsrath, Freiherr von Wangenheim, welcher baldnach diesem von« dem Nachfolger König Friedrich zum Geheimenrathund Eultminister ernannt wurde und neuerlich in Frankfurt sich-befindet als würtembergischer Minister bei dem deutschen Bunde.Früher, zur Zeit des Herrn von Kretschmar, im Dienste von