Lüürkembcrgtsche Laodffände
beiden Commissionen zogen sich unendlich in die Länge, und derRest der Stände hatte inzwischen gute Muße; körperlich sah mansie allerdings in Stuttgart anwesend, aber von ihrer geistigenThätigkeit wurde auch nicht das mindeste lautbar. Mit Schmerzsah die Versammlung, wie ihr Ansehen überhaupt unter diesenUmständen allmählig altere, und sie erkannte die Nothwendigkeit,wieder etwas Auffallendes zu thun, um der Welt ihre alte Kraftzu beurkunden. Mit freudiger Begierde ergriff sie daher noch wäh-rend der Zeit der Unterhandlung eine vom König ohne ihr Zu-thun ausgeschriebne Steuer, so wie sein eben so erlaßnes Statut,die Tilgung der Staatsschulden betreffend, und erließ Adresse»an den König, worin sie sich in starken Ausdrücken darüber be-schwerte. Nicht die Steuer an und für sich selbst griffen sie an,denn sie wußte» wohl, daß sie nothwendig war, wenn der Staatnicht still stehen sostte, und auch nicht das Schuldenzahlungsinsti-tut, gegen das wenig Erhebliches einzuwenden war, sondern daswar ihre Klage, daß man nicht sie vorher darum gefragt hatte.Jedoch der Hauptzweck war erreicht, Aufsehen wiederum erregt;nur Schade, daß man sich von Seiten des Hofes wenig mehrdarum kümmerte, sondern ihnen geradezu erklärte, die Vcsamm»lunq sey ja ihrer eignen Ansicht nach nicht cvnstituirr, sondernbloß zu Schließung eines neuen DerfaffungSvertrags beisammen»das sollte sie bedenken, und sich nicht in Sachen mischen, die sienichts angingen. Auch ließ sich um diese Zeit bereits eine zwarkleine, aber entschieden königliche Partei in der Ver-sammlung selbst laut gegen diese Schritte vernehmen; sie war imBesitz der allgemeinen Zeitung; griff durch sie hauptsächlichihre Gegner an und suchte durch ihre Darstellungen darin dasgrößere deutsche Publkcum für sich zu gewinnen; manche gehässigeGerüchte, daß es jenen Hauptsprcchern der andern Partei umConsulentcnstellcn, reiche Besoldungen u. dergl. noch mehr als umdie gute Sache zu thun sey, Gerüchte, welche man allerdings i»Stuttgart sich in die Ohren sagte, find durch sie weiter verbreitetworden. Allein dies führte nicht zum Guten, sondern veranlaßtepersönliche Erbitterung und machte nur noch starrsinniger. Über-haupt herrschte in Würtemberg die ganze ständische Periode überbei dem gebildete» und halbgebildeten Publicum ein widerwärti-ger Terrorismus der Meinung. Die einen, und diese bildeten dieMehrzahl, hielten sich zu rücksichtslos an die dem gesunden Men-schenverstände so einleuchtende Idee des alte» Rechts, und wer nichtganz ihrer Meinung war, oder auch nur an dem Benehmen derStände etwas tadelte, galt ihnen für einen schlechten Mensche»und Berräther der guten Sache aller Völker überhaupt; unstreitigwar bei dieserPartei persönliche Erbitterung gegen den König und dieHärte seiner frühern Regierung mitwirkend; die andern ziehen dieseunverständiger Beschränktheit und Befangenheit, und dem Wirke»der Anführer dieser Partei in der Ständeversammlung legten sie,wie denn dies menschliche Art ist, eben nicht die lautersten Absich-ten zum Grunde. Endlich wurden dem Könige von jener Commissionfür Entwerfung der Verfassung einzeln« Artikel derselben vorge-legt; eine dritte Commission, sie zu prüfen, ward von ihm nieder-gesetzt; und die widersprechendsten Gerüchte, wie er dieses und je-nes aufgenommen habe, kamen ins Publicum; so viel ist gewißdaß er d?s ganzen Werfaffungswesen- endlich müde beinahe eut?