Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
729
JPEG-Download
 

Zeichnnngskunst 729

heit »funden, denn die Tochter des DibutadeS, welche den Schat-ten des Profiles ihres scheidenden Geliebten an der Wand 'ein-schrieb, welchen der Vater dann ausschnitt und in Thon mvdel-lirte, wird uns als erste Aeichnerin genannt, so wie der RitterSanrias, welcher mit dem Speere den Schatten seines Lieblings-roffes umschrieb, als erster Zeichner. Zeichnung ist eine Kunstder Täuschung, sie will uns Erscheinungen vorzaubern, die nichtwirklich da sind; nur durch den geistigsten Sinn, nur durch dasLuge, spricht sie zu uns, sie läßt sich nicht begreife», dem tasten-den Gefühl bleibt sie fremd. Sie bestimmt die Nähe und Ferneder darzustellenden Gegenstände durch die Hülfe der Perspektive.So wie die Plastik schon ihrer Natur gemäß sich eignet, die höch-sten Jdcale schöner Körperformen zu schaffen und darzustellen, soist die Zeichnung geeigneter zur Darstellung übersinnlicher Ideen.Sie spricht mehr zum Sinn als zu den Sinnen Man kann beiden frühesten Versuchen im Zeichnen schon versckiedne Epochen an-nehmen, die sich fast bei allen Nationen wiederbolen: 1 bezeich-nete man die Gegenstände nur durch rohe formlose Linien, z. B.ein Oval war cln Kopf rc. 2. Um solche Zeichnungen mehr indie Augtn fallend zu machen, füllte man den Umriß mit schwarzeroder anderer Farbe aus, und zeichnete dann in diesen schwarzenSchattenriß mit Weiß die Lugen und Augenbraunsn, die Naseund die Haare. Au allen diesen Abbildungen schrieb man die Na-men und überhaupt erklärende Worte, wie wir sie auf den älte-ren Nasen finden; dieß sind die alt-äolischen Worte mit pelaS-qischen Buchstaben, die selbst bei alten Reliefs oft angebrachtsind; diese Sitte blieb aber bei den Griechen selbst In den blühen-de» Zeiten der Zeichnungskunst, denn die Figuren der großen Ge-mählde des Polygnot in der Leiche zu Delphi waren sogar durchÜberschriften bezeichnet. In der Zten Epoche fing man schon an,die noch schattenlosen Zeichnungen zu illuminiren, man gab näm-lich die Farben der verfchtednen Gewänder an, aber alles völligstach. So stickten Heleya und- Andromache in Homers Gesängenihre Teppiche. In der -zten Epoche bemerkte man bei dieser Flach-mahlerei den Mangel der Rundung. Ardices und Telephanes(wahrscheinlich erdichtete Namen) singen an, durch das Schrafsi.ren inwendig die Rundung der Körper auszudrücken. So zeich-nete ip neuerer Zeit Polydor de Caravaggie mehrere Fresco's inRom, wo er sich mit einer einzigen Farbe begnügte, die Schattenaber durch Schrafsirungen ausdrückte. Man nennt dies: ,,»1sxraüto" oder: xeilitureo Imciiees." Diese Manier zu z ichnenwar aber äußerst hart. Philscles und Clcamhes erfanden dieMonochromen oder einfarbigen Gemählde (die nicht mit denMonogrammen, oder mit Linien skizzirten Zeichnungen zuverwechseln sind); bei den Monochromen wurden die Farben mitWeiß gemischt, so glich dies der Manier, welche man noch jetzt«n nennt. Dies bildete den Übergang aus dem

Zeichnen in das eigentliche Mahlen. Die Griechen waren sehrstreng und genau bei ihrem Unterricht im Zeichnen; Pamphilus,der Lehrer des Apelles, verlangte, daß seine Schüler zehn Jahrebei ihm aushalten mußten. Man konnte drei Lchrstufcn anneh-men; in der ersten wurde Festigkeit der Hand und des Stri-che« erworben, die Lehrlinge mußten mit Griffeln auf Tafelnrcichnen, die mit Wachs überzogen waren; in der zweiten studic-