Zigeuner 753
persönliche Zusammenkunft mit dem Könige auf eine Art beseitigtward, die diesem Fürsten zur hohen Ehre gerecht. Es würdeviel zu weit führen, wenn wir alle die ausgezeichneten Thatenauszählen wollten, durch welche Ziethen in diesem Kriege seinenFeldherrnberuf so vielfach beurkundete; wir beschränken Uns daherdarauf, kürzlich zu erwähnen, daß er für ausgezeichnet kluge Lei-tung der Vordtrlruppen vor der Schlacht bei Prag den schwarzenAdlsrorden erhielt; bei Cvllin, wo er auf dem rechten Flügel100 Escadrons commandirte, verwundet ward; bei Leuthen durchdas Zurückwerfen des Nadastisch-n Corps die Bahn zum Siegetrach, und die ihm darauf übertragene Verfolgung des Feindesmit großer Umsicht und Thätigkeit leitete; späterhin aber beiDeckung des großen für das olmützer Belagerungsheer bestimmtenTransportes der feindlichen Übermacht und LaudonS Thätigkeitweichen mußte; daß er auf dem Schlachtfeld« von Liegnitz, wo erdie österreichische Hauptarmee zurückhielt, zum General der Ea»vallerie ernannt ward; daß er es war, der den blutigen Lag beiTorgau zur Entscheidung brachte, obwohl ihm der König darüberbittre, aber unverdiente Vorwürfe machte. Bald nach dem hu-bertsburger Frieden (1763) verheirathet« sich Ziethen in seinemSgsten Jahre nochmals, und es ward ihm zuerst ein Sohn gebo-re», den Friedrich au- der Lause hob und in der Wiege zumCornet ernannte, so wie er denn von nun an seinen Feldherrn im-mer durch Beweise von Gnade und Zuneigung erfreute, die diesergewiß so sehr verdiente, und wovon einzelne Züge noch jetzt allge-mein bekannt, zum Theil durch den Grabstichel verewigt sind.Unermüdlich wie er war wollte der 79jährige Greis durchaus nochan dem bayerischen Erbfolgekriege Theil nehmen, allein oer Königlehnte seine wiederholten Anträge in Rücksicht aus seine schwäch-liche Gesundheit immer gnädig ab. So von seinem Monarchengeehrt und geliebt, von seinen Untergebenen und denen, die ihmnäher standen, fast angebetet, von der großen Menge mit enthu-siastischer Bewunderung verehrt, durchlebte er ein heitres Greifen-alter, bis am Lösten Januar 1786 zu Berlin ein sanfter schnellerTod sein ruhmvoller Leben ohne lange vorherige Krankheit endete.Der Prinz Heinrich ließ ihm 1790-zu Rheinsberg ein Denkmalsetzen; bekannter ist die von Schaden» gearbeitete Bildsäule desHelden, die Friedrich Wilhelm H. 1794 auf dem WilhelmSplatz«
> in Berlin aufstellen ließ.
! Zigeuner, ein ganz besondres, wanderndes, in Rücksichtseiner Herkunft räthselhasteS Volk, das in allen drei Theilen derbekannten Welt zerstreut sich befindet. In Deutschland, das sienoch bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts'in einzel-nen kleinen Krupps durchstreiften, sind sie jetzt nur noch dem Na-men nach bekannt. Nach allen vorhandnsn Nachrichten sind die! Zigeuner zuerst im Jahr 1417 in Deutschland erschienen; siel hatten ihren Weg dahin von der türkischen Gränze au» durch§ Ungarn genommen. In Krupps von mehrern hundert Menschen,", unter Anführern, die sich dir Titel als Grafen, Woywoden oder
> Herzoge beilegten, durchwanderten sie in elendem Auszugs" Deutschland, die Schweiz, Böhmen und andere Länder. Ihrer
Aussage nach waren sie ägyptische Christen, die, um der Sündeihrer Vorfahren willen, welche Jesum mit seinen Altern auf derFlucht nicht hatten aufnehmen wollen, nun zu einem siebsnjähri-e°«v. r«r. 4te A»il. X. 48