Türkische Sprache und Literatur 797
derselben verwandten Sprachen von der lateinischen und deutschen.Die türkische Sprache hat tür das Ohr etwas Volltönendes, aberj zugleich Rauhes und Ernstes. Die Morgenländer haben verschie-dene Sprichwörter, wodurch sie den Charakter der drei jetzt in einemgroßen Theile Asiens herrschenden Hauptsprachen, der arabische»,
> persischen und rürkische», zu bezeichnen pflegen; z. B. die ara-bische Sprache überrede, die persische schineichle, die türkische strafe;
! Arabisch habe im Paradiese die Schlange unser« Stammmutter an-geredet, persisch haben Adam und Eva sich von Lieb' und Gegen-l liebe unterhalten, türkisch habe der Engel gesprochen, als er denersten Ältern das Paradies versagen müssen. Die türkische Spra-che ist zw e r in ihrem grammatischen Bau sehr regelmäßig, aber ansich ist sie arm. Dieser Armuth ihrer Sprache haben die Türkenjedoch dadurch abgeholfen, daß sie den ganzen arabischen und per-sischen Sprachschatz sich angeeignet und mit ihrer Sprache so ver-schmolzen haben, daß man ohne Kenntniß des Arabischen und Per-sisch-n zu keiner gründlichen Kenntniß des Türkischen gelangen kann.Durch die Vermischung drei so ganz verschiedener und sich unglei-cher Sprachen wird aber auch die Erlernung de- Türkischen sehrschwierig; denn eigentlich türkische, arabische und persische Wörterund ganze Redensarten wechseln sowohl in der Sprache des ge-meinen Leben«, als in Schriften ohne Unterschied mit einander ab.Das Pirfiiche ist den Türken nöthig, ihrer Sprache im Umgang,in der Poesie, und in alle dem, was zum feinen Geschmack ge-hört, Annehmlichkeit und Zierlichkeit zu verschaffen; das Arabische«lnr, um wissenschaftliche und religiöse Begriffe und Gegenständemit Bestimmtheit und Würde auszudrücken. Sie bedienen sich derarabische« Buchstaben mit einigen geringen Veränderungen, undlesen auch, wie die Juden und Araber, von der Rechten zur Lin-ken. Sie schreiben auf eben diese Weise. Das Papier erhaltensie all« Europa, meistens aus Venedig, lassen es aber vor demGebrauche so glätten, daß es wie unsere Älanzleinwand aussieht.Ihre Federn werden von einem feinen Rohre geschnitten, und ihreDinte gleicht unserer Buchdruckerfarbe. Sie schreiben auf denKnien, und höchstens dient ein Pappdeckel zur Unterlag«. DieLautbuchstaben oder Vocale, welche in kleinen geraden oder ge-krümmten Strichen bestehen, und bald über, bald unter dieCon-sonanten gesetzt werden, sind, den Koran ausgenommen, seltenbeigeschrieben. Das Lesen wird überdies noch durch die vielen un-gleichen Alphabete und Charaktere, deren man sich im Schreibenbedient, ungemein erschwert; ein ganz anderes Alphabet wird inder Kanzlei, ein anderes in Briefen, ein anderes in den Gerich-ten, ein anderes in wissenschaftlichen Aufsätzen, ein andere« inRechnungen u. s. w. gebraucht. Wer das eine recht fertig liefet,kann darum noch nicht ein Wort in dem andern lesen. — Die tür-kischen Horden, welche sich zuerst in Kleinasien setzten, und von dain der Folge nach Europa übergingen , waren in dem dreizehntenJahrhundert von den hinter ihnen hcrvorstürmenden Mogolen ausdem westlichen Theile der großen Tatarei in größer» uud kleinernj Haufen in das mittlere und vordere Asien getrieben worden, undhatten, einzeln nicht stark genug zu eigenen Unternehmungen, beiden Dynastien, in die sich damals Vorderasien getheilt hatte,Kriegsdienste genommen. Während dieser Lage traten sie zu Mo-hammeds Religion über, und nahmen mit dem Koran zugl-ich die