Voltaire 839
bensansichten so sehr sich widersprachen. Im Z. 1726 hatte er dasUnglück, abermals in die Bastille gesetzt zu werden. Er hatte näm-lich einen Chevalier von Rohan, einen adetstoizen jungen Mann,durch bittre Äußerungen beleidigt. Dieser rächte sich thätlich anVoltaire, der ihn zum Zwrlkamps foderte, worauf jener von demRegenten einen Verhaftsbcfehl gegen Voltaire ausw'rkte. SechsMonate war er eingesperrt. Leine Befreiung dankte er seinempoetischen Talente, wodurch er der Marquise de Prie, der Gelieb-ten dee Regenten, zu gefallen gewußt hatte, doch mußte er dasReich verlassen. — Er ging nach England und nahm seine Hen-nade mit, welche hier auf Subscription, nach Verwendung derKönigs Georg I., besonders aber der Prinzessin von Wall?-, ge-druckt wurde. Er hatte davon bcdeutenden Gewinn» In Englandwurde er mit vielen Leuten vom Stande und große« Gelehrten be-kannt, allein seine gesellschaftliche Bildung sprach die Engländernicht an. Er erlaubte seinem Witze viel, so daß man sagt: Pope'SMutter sey bisweilen durch ihn von ihre-Sohnes Tische vertriebenworden. Als er die Erlaubniß erhalten hatte, nach Frankreich zu-rückzukehren (1728), legte er seinen Gewinn in eine Lotterie, wo-durch er, so wie durch andre glückliche Speculationen ein große-Vermögen erwarb, das sich stets vermehrte, so daß er endlich,nachdem er seines Vaters und Bruders Erbschaft erhalten hatte,fast iZo,ooo Livres jährlicher Renten besaß, wovon er jedoch eine»sehr löblichen Gebrauch machte, indem er besonders aufkeimendeliterarische Talente unterstützte. Er selbst hatte das glückliche Loo-gehabt, niemals um seinen Unterhalt arbeiten zu dürfen. Im I.1780 brachte Voltaire die Tragödie Bruius auf die Bühne, einStück, welches, wenn gleich ausgestattet mit viel Energie und man-chen nicht zu verkennenden Verzügen, doch nicht allgemein gefiel»Jetzt wurde sogar sein Talent zum dramatischen Dichter so bezwei-felt, das Fontenelle und la Motte ihm ricthen, nicht mehr in die-sem Gebiete der Dichtkunst zu arbeiten. Gerne Antwort war dieZaire, ein Trauerspiel, das einen so tiefen und allgemeinen Ein-druck hervorbrachte, daß es zu allen Zeiten ein Lieblingsstück aufder französischen Bühne geblieben ist. — In Voltaire'» Geist lagein Streben nach Opposition. Wo er die mindeste Blöße bemerkte,griff er an, und zwar mit allen Waffen, die er so geschickt zuführen wußte. So widersetzte er sich den Anmaßungen der kirch-lichen Autorität durch seine lettr-cs xk^osopliiques lind zwar derge-stalt, daß das Parlament von Paris das Buch (doch nicht den Au-tor) zum Feuer verdammte. Er selbst sollte verhaftet werden,allein er verließ Paris, und brachte einige Jahre in Verborgenheitzu Cirey bei Da<si in der Champagne zu, wo er von der Besitzerin,der Marquise du Chatelet, mit Freundschaft überhäuft, seine Die-mens cke la pbisosopstie >is Rstvcon schrieb, wodurch er die großenAnsichten des unsterblichen Britten seinen Landsleuten begreiflich zumachen suchte. Er wollte, wie er sich ausdrückte, den Driareus in Mi-niatur« als Zwerg darstellen. Indessen gelang ihm diese Art wissen-schaftlicher Bestrebungen lange nicht so, wie die im Felde der Dicht-kunst und schözien Literatur überhaupt. Deßhalb kehrte er auch bald zur«rstern zurück und schrieb im I. I7ZÜ seine Alzire und 1741 sei-nen Mahomet. Die Ausfälle in dem letzter« gegen den Fana-tismus machten, daß er der Geistlichkeit mißfiel und daß er es aufden Rath des Ministers Fleury selbst zurücknahm; doch ist es nach»