88 Ägypten
nach ssinen Sitten» Gebräuchen, Gesetzen; so wird unsnoch manches Räthsel über dieses sonderbare Volk gelös'k werden. —Die düstere Religion der Agyptier bannte allen Frohsinn aus denKreisen ihres Privatlebens. Die Freude war ihnen entfremdetworden; sie waren nur ernste, andächtig-schwärmerische Menschen.Singen, Lanzen, Spielen war ihnen verhaßt; dabei aber besaßensie einen hohen Grad von Fleiß, Gutmulhizkeit, Höflichkeit undzugleich eine Eitelkeit, die sie in alles, was von ihnen herrührte,verliebt machte. Wie späterhin die Griechen und Römer alle Richt-griechen und Nichtrdmer Barbaren nannten, so betitelten alsoauch sie alle Völker, die nicht ihre Spratbe redeten; aber bei allerVerachtung, die sie solchen bezeigten, blieb die Dankbarkeit gegeneinen jeden, ohne Unterschied, eine ihrer glänzenden Nationaltu-genden. — Das Regiment des Staats war überhaupt ein Wei-bexregiment; jeder Priester durfte wenigstens Eine Frau ha-ben; den Laien beschränkte das Gesetz in der Zahl gar nicht. DerMann besorgte die Hauswirthschgst, die Krau den Kauf und Ver-kauf und alle übrigen Verrichtungen außer dem Hause. Die Ehewurde dadurch, d^ß.sie auch unter Geschwistern verstattet und dieIdee von Mißbeirathen noch nicht aufgestiegen war, unendlich be-fördert. Genügsamkeit war auch" eine der Rationaltugenden;Wein trank der Agyptier nie, sondern Bier, sogenannter Gersten-wein war sein Gelränk;-L>rot bück er aus Spelt; Gerste war ihmzu gering dazu; für seine Küche cultivirre er Gemüse aller Art,und beförderte die Ausdehnung seiner weiten Volieren durch künst-kickcs Ausbrüten der Eier; Bohnen und Schweinefleisch unter-sagte ihm seine Religion, da er durch ihren Genuß sich verunrei-nigen würde, dagegen er wieder andere Thiere, alS geheiligt«,nicht zu verletzen wagen durfte. Seine Kleidung war sehr einfach;die ehrbare Frau unterschied sich von den Mädchen und Lustdirnendurch einen Schleier, den dies« nicht tragen durften. Kinder wur-den erst spät berl.ider; bloß Leichenbegängnisse und die Trauerzeitgaben zu äußer.ichcr Pracht und Eifersucht deßhalb Veranlassung.Doch der Beherrscher und seine nächsten Umgebungen schimmertensiers in orie»kal.scher Pracht; der ägyptische Despot, sein Haremund die Minister überstrahlten das Volk, jener im Sonnenglanz«seiner eigenen, diese im Mondenschimmer der erborgten Majestät.Aber die Allmacht des Pharao war über jede Rücksicht erhaben;er warf willkürlich den Großvezier von dem Gipfel seiner Größe undhob d>n niedrigsten Sklaven zu sich empor, wie Josephs, des Keu-schen, Geschichte beweis't. — Die Arbeitsamkeit, welche demÄgypter angeboren war, erhielt die öffentlichen Tugenden, undvon Seiten der Polizei sorgte man auch für die unterbrochene Be-schäftigung der Verbrecher; schon unter Joseph gab es ein Ar-beitshaus für eingekerkerte Sclaven. Als eine Riesenmauer stell-ten zwar die Ungeselligkeit der Agyptier und ihre Furcht, durchUmgang mit Fremd, n den Göttern zu mißfallen, sich ihrer nochHöhern Fortbildung entgegen; allein es wurden ihnen dadurch zu-gleich ihre Sellststbrndlgkeit, ihr wahrer Charakter, ihre Natio-nastuqenden bewahrt. Erst dann, als sie mit den Griechen in nä-here Berührn»- gekommen waren, verlor sich ihre Thätigkeit etwas,so dost Amasis.'genöthigt war, ei» Polrzcigesetz zu geben, das je-^e» Agyplier verpflichtest, jährlich seinen Namen, sein Gewerbe und»ie Mittel, wodurch er feinen Uniertzalt gewinne »der zu gewinnt»